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Vier Wissenschaftlerinnen erhalten Heinz Maier-Leibnitz-Preis

Am 4. Juni verleiht die DFG den renommierten Preis für Nachwuchswissenschaftler*innen in Berlin. Der Frauenanteil unter den Ausgezeichneten ist im Zeitverlauf deutlich gestiegen.

Mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis ehrt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 1978 jedes Jahr zehn Wissenschaftler*innen in einem frühen Karrierestadium nach der Promotion. Der Preis gilt als der wichtigste Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler*innen in Deutschland und zeichnet herausragende Leistungen in allen wissenschaftlichen Disziplinen aus. Die Ausgezeichneten erhalten ein Preisgeld von jeweils 200.000 Euro, das ihnen für weitere Forschungsarbeiten zur Verfügung steht.

Unter den zehn Wissenschaftler*innen, die am 4. Juni in Berlin geehrt werden, sind mit Dr. Katharina Dobs, Dr. Claire Donnelly, Dr. Eugene Kim und Dr. Dominika Wylezalek vier Wissenschaftlerinnen. Der Frauenanteil unter den Preisträger*innen hat sich seit Beginn der Verleihung im Jahr 1978 deutlich erhöht. Von anfänglich 20,0 Prozent in den ersten drei Jahren der Preisverleihung (1978-1980) und noch niedrigeren Frauenanteilen in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten (12,0 bzw. 16,2 Prozent) stieg der Frauenanteil vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten stark an. Im Zeitraum von 2001 bis 2010 war ein Drittel der Ausgezeichneten weiblich (40 Männer und 20 Frauen) und zwischen 2011 und 2020 lag der Frauenanteil bereits bei 41,8 Prozent. Unter den Preisträger*innen der letzten vier Jahre (2021-2024) ist die Geschlechterverteilung mit 21 Männern und 19 Frauen sogar beinahe ausgeglichen.

Sortiert nach Fächergruppen sind Frauen am stärksten unter Preisträger*innen in den Geisteswissenschaften (Frauenanteil 44,0 Prozent) vertreten und am schwächsten unter Preisträger*innen in den Ingenieurwissenschaften (Frauenanteil 17,6 Prozent).

Phänomen „Gender Award Gap“

Das Metavorhaben meta-IFiF stellt den Frauenanteil unter den Preisträger*innen des Heinz Maier-Leibnitz-Preises im Zeitverlauf und getrennt nach Fächergruppen dar. Außerdem sind im Daten & Fakten-Bereich die Frauenanteile unter Preisträger*innen des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises und Frauenanteile unter Nobelpreisträger*innen abgebildet. Obwohl sich bei den dargestellten Preisen positive Entwicklungen zeigen, wurden und werden die renommiertesten Wissenschaftspreise nach wie vor häufiger an Männer als an Frauen verliehen. Dieses Phänomen wird auch als „Gender Award Gap“ bezeichnet. Erklärungen dafür setzen sowohl bei allgemeinen gesellschaftlichen Strukturen als auch beim Wissenschaftssystem und den Vergabepraktiken an. Lesen Sie hier mehr zu den Erklärungsansätzen für die niedrigen Frauenanteile bei Wissenschaftspreisen.

Die Preisträgerinnen im Jahr 2024

Dr. Katharina Dobs (Universität Gießen) erhält den Preis für ihre herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Kognitiven Psychologie und der Neurowissenschaften. Sie erforscht die Mechanismen der menschlichen visuellen Wahrnehmung. Dazu entwickelt sie neuronale Netzwerkmodelle, an denen sie analog zum menschlichen Gehirn zeigen konnte, wie sich Netzwerkregionen auf die Verarbeitung bestimmter Wahrnehmungsprozesse spezialisieren, wie etwa die Gesichtserkennung.

Dr. Claire Donnelly (Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, Dresden; TU Dresden) wird für ihre exzellente Arbeit auf dem Gebiet der Experimentellen Festkörperphysik geehrt. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Nanomaterialien (Werkstoffe mit sehr kleinen Abmessungen) und ihren magnetischen Eigenschaften. Durch ihre Arbeit ist es heute möglich, mit großer Genauigkeit magnetische Eigenschaften kleinster dreidimensionaler Festkörpersysteme zu untersuchen und darzustellen.

Dr. Eugene Kim (Max-Planck-Institut für Biophysik, Frankfurt am Main) wird für ihre besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Funktionellen Genomforschung ausgezeichnet. Die Biophysikerin erforscht mithilfe von Bildgebungstechniken, wie Chromosomen im Zellkern organisiert sind und auf kleinstem Raum ihre dreidimensionale Struktur annehmen können. Unter anderem fand sie heraus, wie der Proteinkomplex Condensin bei der Organisation der Chromosomen mitwirkt.

Dr. Dominika Wylezalek (Universität Heidelberg) erhält den Preis für ihre herausragende Arbeit in der Astrophysik. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Entstehung von Galaxien und der Frage, welche Rolle supermassive Schwarze Löcher dabei spielen. Unter anderem sammelte sie dazu in einem Forschungsprojekt der NASA Daten des James-Webb-Weltraumteleskops und trug mit ihren Beobachtungen dazu bei, zu verstehen, wie Galaxien im frühen Universum entstanden. Am 17. Mai 2024 war Dr. Dominika Wylezalek zu Gast im Interviewpodcast #Forscherinnenfreitag der IFiF-Plattform #Innovative Frauen.

Im Rahmen der Förderrichtlinie „Innovative Frauen im Fokus“ befasst sich das Projekt „Gender Award Gap? (Un-)Sichtbarkeit von Frauen in den Anerkennungskulturen der Medizin“ (GAP) mit Preisen und Auszeichnungen in der Medizin in Deutschland und untersucht, inwiefern hier ein Gender Award Gap vorliegt.  

Das Metavorhaben "Innovative Frauen im Fokus" (meta-IFiF) ist im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. angesiedelt und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderrichtlinie "Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation: Leistungen und Potenziale sichtbar machen, Sichtbarkeit strukturell verankern" ("Innovative Frauen im Fokus") gefördert.