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Rückblick auf 5 Jahre DWK

Fünf Jahre Demografiewerkstatt Kommunen (DWK) liegen hinter den Projektbeteiligten: Schon seit langem war der Dezember für ein abschließendes Treffen und einen letzten Austausch der Kommunen untereinander geplant. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde aus dem angedachten Termin ein virtuelles Treffen, das neben inhaltlichem Input Raum für Reflexion ermöglichte.

Eine Person sitzt mit Kopfhörern vor einem Laptop, auf dem ein Online-Seminar stattfindet.

Das BMFSFJ als Fördermittelgeber moderierte in Person von Romy Deerberg (Referentin im Referat 316) durch das Programm der Abschlussveranstaltung. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter aller Projekt- und assoziierten Kommunen, so dass rund 40 Personen teilnahmen. Zum Programm gehörte neben einer Keynote ein Podiumsgespräch samt Diskussionsmöglichkeit. 

Die Begrüßung seitens des BMFSFJ übernahm Andreas Kirner (Leiter des Referats 316 – Demografischer Wandel, Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse). In seiner Rede dankte er allen Beteiligten für die gute gemeinsame Arbeit und der Deutschen Fernsehlotterie / Stiftung Deutsches Hilfswerk für die Unterstützung. Zudem ließ er kurz die vergangenen fünf Jahre Revue passieren und hob besonders die Besuche vor Ort als sehr bereichernd hervor. Über den Projektzeitraum habe sich gezeigt, wie wichtig die Vernetzung unter anderem in Form der jährlich durchgeführten Austauschtreffen für die Kommunen war. Zudem war die DWK ein Vorreiterprojekt in Sachen Online-Seminare. Um den Erfolg der DWK noch mehr in die Breite zu tragen und weitere Kommunen zu unterstützen, selbst aktiv zu werden, kündigte Andreas Kirner das digitale “DWK-Tool” an, mit dessen Hilfe interessierte Kommunen die Prozessschritte der Demografiewerkstatt systematisch durchlaufen können und das ab Mitte 2021 zur Verfügung stehen wird. Dr. Christian Kipper von der Deutschen Fernsehlotterie/ Stiftung Deutsches Hilfswerk sprach ebenfalls ein Grußwort und bedankte sich bei allen Beteiligten für das große Engagement.

Auf die an die Teilnehmenden gestellte Frage, wofür die DWK für  steht, kamen unter anderem folgende Antworten: 

  • „unbürokratisch, innovativ, flexible Projektarbeit“
  • „strukturierte Hilfe zur Selbsthilfe“ 
  • „Diversität, Wissen, Kompetenz“

Ein Highlight im Rahmen der Veranstaltung war die erstmalige Präsentation des neuen DWK-Films: 

 

 „Die Zukunft der Kommunen: demografisch, wirtschaftlich, regional“ war der Titel der Keynote von Dr. Reiner Klingholz (ehem. Leiter des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung). Nach einer statistischen Einordnung, wie unterschiedlich die Bevölkerungsstrukturen nach Alter, Geschlecht oder Bildungsstand in Kommunen sind, folgte aufgrund der demografischen Daten ein Realitätsscheck, wo wir in Deutschland derzeit stehen. Da seit 1972 jährlich mehr Menschen sterben als Kinder geboren werden, gibt es eine starke Alterung in Deutschland, die nur gering durch Zuwanderung abgefedert wird. Ausnahme seien Ballungsräume, dort steigen die Einwohnerzahlen, was aber wiederum dazu führt, dass strukturschwache, ländliche Regionen weiter schrumpfen. Laut Dr. Klingholz wird sich diese Entwicklung auch weiter fortsetzen, da junge Menschen sich eher auf die Städte konzentrierten  .  Zwar gibt es leichte Gegentendenzen, so ziehen z. B. vermehrt sogenannte „Kreativarbeitende“ von der Großstadt aufs Land und nutzen die Digitalisierung. Durch die jetzige Corona-Pandemie mit mehr Homeoffice würden neue Anreize geschaffen, aber es sei kein flächendeckender Trend. Dennoch sollten ländliche Kommunen sich auf ihre Stärken konzentrieren, was sie einem urbanen Leben entgegensetzen können. Ebenso sollte der Punkt „Klimawandel“ nicht aus den Augen gelassen werden, da sei eine dichte Besiedlung mit kurzen Wegen und gutem Nahverkehr ebenfalls ein Pluspunkt für Ballungsräume. Für Dr. Klingholz hat die Politik die Aufgabe,  eine angemessene Versorgung für alle Regionen sicher zu stellen. Aber eine Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen sei nur bedingt umsetzbar, da die Regionen in Deutschland extrem verschieden seien. 

Der Vortrag regte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer Diskussion über die Perspektiven von ländlichen Räumen und Großstädten an. 

 

Das Podiumsgespräch, moderiert von Prof. Dr. Martina Wegner von der Hochschule München, ging der Frage nach: „Den demografischen Wandel gestalten. Wie fördert man Veränderungsprozesse in der Kommune?“. Die Gäste waren: Birigit Zoerner (Dezernentin für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Sport und Freizeit der Stadt Dortmund), Dr. Markus Mempel (Referent Deutscher Landkreistag), Prof. Dr. Christoph Strünck (Direktor Forschungsgesellschaft für Gerontologie e. V.) und Dr. Klaus Zeitler (Sozialwissenschaftliches Institut für regionale Entwicklung). Die Expertinnen und Experten berichteten einerseits von konkreten Lessons-Learned aus dem DWK-Prozess und diskutieren andererseits grundlegende Fragen wie: „Wie lässt sich ein gemeinsames Bewusstsein bei den Menschen vor Ort schaffen, um der Frage nachzugehen: Was wollen wir aus unserer Kommune machen?“ , „Wie kann mehr über die Herausforderungen und Ziele gesprochen werden, um Prioritäten und einen Fokus zu setzen, mit dem sich alle identifizieren können?“, „Wo ist  ein Umdenken auf operativer Ebene nötig, um zu erkennen, dass die Gestaltung des demografischen Wandels eine Gemeinschaftsaufgabe ist?“

 

Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber, dass bei Demografie nicht nur das Thema „Alter“ in den Blick genommen werden sollte. Die Kommunen sollten vor Ort die Chancen nutzen, die ein Einbezug aller Generationen bietet. 
Die Verabschiedung übernahm Prof. Dr. Matthias von Schwanenflügel (Abteilungsleiter im BMFSFJ). Seine Hoffnungen in das Projekt wurden übertroffen, die DWK sei zu einer Erfolgsgeschichte geworden, denn sie gebe Hilfe zur Selbsthilfe, trage zur nachhaltigen Gestaltung des demografischen Wandels bei und werde auch über die Laufzeit hinaus Wirkung erzielen. Er stellte eine Weiterführung 2021 in Aussicht. 

Die Geschäftsstelle der Demografiewerkstatt Kommunen ist im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. angesiedelt.