Für den intensiven fachlichen Austausch zu Einzelaspekten der Bestandsaufnahme wurden zwei Workshoprunden durchgeführt. In jeder Workshoprunde fanden vier Workshops mit bis zu 15 geladenen Expertinnen und Experten parallel statt. Für die erste Workshoprunde bildeten die klassischen Merkmale der digitalen Spaltung „Alter und Geschlecht“ die Ausgangspunkte. Für alle Workshops bildete die Genderperspektive eine wichtige Grundlage. Im Abschlussplenum wurden die Ergebnisse aus den Workshops zusammengeführt und diskutiert.
Im Rahmen des Projektes wird eine Bestandsaufnahme von Primär- und Sekundärstudien zur Online-Kompetenz von Migrantinnen und Migranten durchgeführt. Ausgangspunkt sind die vom Statistischen Bundesamt im Mikrozensus 2005 vorgelegte Definition von „Migrationshintergrund“ und der nationale Integrationsplan, der in den neuen Medien Computer und Internet erhebliche Potenziale für die Integration sieht. Die Bestandsaufnahme umfasst neben den Ergebnissen der Internet-, Migrations- und Medienforschung auch eine Übersicht der Internetportale für Migrantinnen und Migranten sowie Beispiele guter Praxis.
In der Informationsgesellschaft Deutschland gibt es eine digitale Spaltung, die entlang der demografischen Merkmale Bildung, Geschlecht, Alter und Einkommen verläuft. Oliver Hinkelbein (2007:94) erweitert diese um die Merkmale "kulturelle Herkunft" und "Sprachfähigkeit", die den Stand der Deutschkenntnisse kennzeichnet. Nach Hinkelbein nehmen Migrantinnen und Migranten zurzeit nur unzureichend an der Informationsgesellschaft teil.
Deutschland sei ein digitales Entwicklungsland, was die Integration von Migrantinnen und Migranten betrifft (Hinkelbein 2004: 9ff.). Es fehle an quantitativen und qualitativen Erkenntnissen zur Internetnutzung und an entsprechenden Politikstrategien. Verglichen mit klassischen Einwanderungsländern fehlt in Deutschland ein breites und sprachlich vielfältiges Medienangebot für Migrantinnen und Migranten, das ihre Lebenswelten repräsentiert. Dies trifft insbesondere für Institutionen des Staates zu, die kaum mehrsprachige Informationen zu ihren Angeboten und Leistungen auf ihren Websites haben. Wenn mehr Migrantinnen und Migranten mit E-Government-Angeboten erreicht werden sollen, so müsse auf die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen eingegangen werden.
Aus den Erfahrungen verschiedener Projekte werden drei Barrieren für die Internetnutzung von Migrantinnen und Migranten als wesentlich erkannt.
Medienkompetenz ist eine zentrale Grundlage zur Integration in die Informationsgesellschaft. Viele Migrantinnen und Migranten waren und sind in Arbeitsfeldern tätig, in denen digitale Medien entweder keine oder nur eine geringe Rolle spielen, so dass sie darüber kaum Möglichkeiten haben und hatten, sich Medienkompetenzen anzueignen (Hinkelbein 2007: 95).
Geringe deutsche Sprachkompetenz spielt auf der Ebene der Inhalte und deren Vermittlung eine Rolle (Hinkelbein 2007: 94).Um spezifische Zugangsbarrieren identifizieren zu können, ist es nötig, die Lebenswelten der betroffenen Menschen zu kennen. Hier bedarf es weiterer Forschung.
Die Herkunft der Menschen lässt nicht auf eine Milieuzugehörigkeit und umgekehrt auch eine Milieuzugehörigkeit nicht auf die Herkunft schließen, so das zentrale Ergebnis der Sinus-Studie „Migranten in Deutschland“ von Sinus Sociovision. Das legt den Schluss nah, dass nicht die kulturelle Herkunft, sondern das Milieu über die Internetnutzung entscheidet. Die Sinus-Studie „Migranten in Deutschland“ ist eine repräsentative, qualitative Vorstudie. Darin enthalten sind einige Ergebnisse zur Mediennutzung sowie Ausstattung der Migranten mit Computer und Internet. Ergebnissse der neuen Sinus-Milieustudie "Lebenswelten von Migranten" wurden im Dezember 2008 vorgestellt.
Mit zunehmendem Alter nimmt die Internetnutzung ab. Zu diesem Ergebnis kommt die achte Mehrthemenbefragung von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien, die im Auftrag des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde. In der achten Mehrthemenbefragung wurden 1.000 türkeistämmige Migrantinnen und Migranten in Nordrhein-Westfalen gefragt:
Die Frage bezieht sich erstens nur auf die Informationsfunktion der Medien und schließt kommunikative Motive aus. Zweitens wird durch die Frage eine Priorisierung bei der Informationsbeschaffung der Medien angeregt. Im Folgenden wird auch hier das Wort Internetnutzung gewählt, aber mit dem Wissen, dass Internetnutzung mehr als Informationsnutzung beinhaltet.
Die Stiftung Zentrum für Türkeistudien hat für die Bestandsaufnahme eine zusätzliche Auswertung für die Internetnutzung nach soziodemografischen Angaben für das Jahr 2005 und 2006 erstellt. (siehe Abbildung 1)
Die hohe Zuwachsrate von 9,9 Prozentpunkten von 2005 zu 2006 ist durch Zuwächse in folgenden Gruppen zustande gekommen:
Die hohe Zuwachsrate bei der Internetnutzung der türkischstämmigen Bevölkerung ist möglicherweise als Nachholbedarf zu sehen, weil sie noch auf einem niedrigeren Niveau liegen als die Einheimischen, so eine Erklärung von Dr. Sauer von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien. „Generell hat natürlich das Angebot von Portalen für Migranten in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen, darüber hinaus nimmt der Bildungsstand zu und möglicherweise hat auch die Verbreitung von Computern und Internetanschlüssen in den Haushalten zugenommen“ sind weitere Erklärungen.
Nach den Untersuchungen vom Zentrum für Türkeistudien wird das Internet eher von Männern als von Frauen für die Informationsbeschaffung genutzt.
Fazit: In der Migrationsforschung liegt der Schwerpunkt bei den Jugendlichen und hier insbesondere bei Hauptschülerinnen und Hauptschülern. Untersuchungen zu Erwachsenen und Älteren finden sich kaum. Die meist untersuchte Bevölkerungsgruppe ist die der türkischstämmigen Migrantinnen und Migranten. Die Expertinnen und Experten haben als Merkmale der digitalen Spaltung
ausgemacht. Weitere Barrieren sind
Dem Erwachsenenalter widmet sich eine Studie zu türkischen jungen Erwachsenen (vgl. Westdeutscher Rundfunk 2006). Im Vergleich zu den Jüngeren, nutzen die ab 20-Jährigen das Internet vor allem zur Information und gehen bei der Suche sehr gezielt vor. Deutschsprachige Seiten werden häufiger aufgrund der mangelnden Lese- und Schreibkompetenz in der Muttersprache aufgesucht (Westdeutscher Rundfunk 2006: 11). Die in Deutschland gut integrierten 30 - 49-Jährigen lesen im Internet hauptsächlich türkische Zeitungen, die im Handel nicht erhältlich sind. Ansonsten weisen sie eine klassische Mediennutzung auf; morgens wird Radio gehört und die Tageszeitung gelesen und abends fern gesehen. Nach dieser Studie könnte die These lauten:
Die folgenden Ergebnisse stammen aus den Untersuchungen des Projekts „Politisches Potenzial des Internet“ der Universität Münster. Die befragten Gruppen der türkischstämmigen und postsowjetischen Migrantinnen und Migranten verfügen über eine hohe Internetaffinität (90 bis 94,1 Prozent sind täglich online).
In der türkischen Gruppe der Befragten ist der Bildungsgrad sehr hoch, der Frauenanteil liegt bei knapp einem Viertel. Bei den Befragten mit postsowjetischem Migrationshintergrund ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen. Das Durchschnittsalter liegt bei 35,9 (türkische Gruppe) und 35,8 Jahren (postsowjetische Gruppe).
Für politische Themen wird das Internet immer wichtiger, dagegen müssen traditionelle Medien einen Bedeutungsverlust als Informationsquelle für politische Informationen hinnehmen. Das Internet dient als Ausgleich zu den „informationellen Defiziten“ der offline angebotenen Massenmedien (Kissau 2008: 5).
Migrantinnen und Migranten sehen sich in den Massenmedien in der Häufigkeit und in der Darstellung schlecht vertreten. Die Besonderheit des Internet wird von den Migrantinnen und Migranten darin gesehen, dass dort Themen angeboten werden, die sie besonders interessieren.
Das Internet als Gestaltungs- und Diskursraum stellt für die Migrantinnen und Migranten eine virtuelle Heimat dar. Hier wird der Migrationshintergrund zu einem verbindenden Element, da der Migrationshintergrund in der ethnischen Gemeinschaft positiv besetzt ist. Das Internet wird zu einem identitätsstiftenden Raum, der die Möglichkeit bietet, eine Vielzahl von Öffentlichkeiten mit vielen kulturellen Ausdrucksformen zu kreieren (Kissau 2008: 6f.).
Websiteangebote von Parteien, Behörden und Regierung: Wie die Studie „E-Commerce“ kommen auch die Untersuchungen des Projekts „Politisches Potenzial des Internet“ zu dem Ergebnis, dass Informationsangebote von Parteien, Behörden und der Regierung bei den postsowjetischen und den türkischstämmigen Migrantinnen und Migranten eine geringe Relevanz haben. Dass Projekt stellt die These auf, dass die Migrantinnen und Migranten keine Zielgruppe der politischen Akteurinnen und Akteure sind und sie von deren Onlineangeboten nicht angesprochen fühlen (Kissau 2008: 4). Die E-Commerce-Studie sieht die schwer verständliche Fachsprache als Hemmnis an, die nicht nur für Menschen mit geringen deutschen Sprachkenntnissen, sondern auch, unabhängig eines Migrationshintergrundes, für Menschen, die über gute deutsche Sprachkenntnisse verfügen, ein Problem darstellen.
Sprachverwendung im Internet: Viele Migrantinnen und Migranten sind mehrsprachig und setzen dieses Potenzial entsprechend ein. Dabei ist eine Hinwendung zur deutschen Sprache im Internet zu erkennen, wobei auch die Herkunftssprachen auf den Websites zu finden sind. Dies entspricht einem Trend, der auch bei der Verwendung von klassischen Medien in der zweiten und dritten Generation von Migrantinnen und Migranten zu beobachten ist.
Bei den Angeboten für postsowjetische Migrantinnen und Migranten ist der Anteil der verwendeten russischen Sprache höher im Vergleich zur deutschen Sprache.
Bei der türkischen Community überwiegen die Angebote in deutscher Sprache. Interessant ist das Ergebnis, dass türkischstämmige Migrantinnen und Migranten online häufiger deutsch verwenden als offline, sei es im Alltagsgeschehen oder bei politischen Gesprächen (Kissau 2008: 6).
Kommunikation: Bei den Gesprächspartnerinnen und –partnern im sozialen Raum Internet gibt es bei Personen mit türkischstämmigem und postsowjetischem Migrationshintergrund unterschiedliche Präferenzen.
Türkische Migrantinnen und Migranten kommunizieren am häufigsten mit anderen Personen mit türkischem Migrationshintergrund (59 Prozent), dann mit Personen ohne Migrationshintergrund (52 Prozent) und erst an dritter Stelle mit Personen aus der Türkei (41 Prozent).
An erster Stelle stehen bei den postsowjetischen Migrantinnen und Migranten auch Personen mit gleichem Migrationshintergrund (57 Prozent). Doch an zweiter Stelle folgen hier Diskussionspartner und -partnerinnen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion (56 Prozent) und an dritter Stelle folgt die Kommunikation mit Einheimischen (34 Prozent).
Interesse an Themen: Bei den Themen interessieren sich die türkischstämmigen Migrantinnen und Migranten am meisten für „Migration und Integration“ (29,3 Prozent). Dieses Thema steht für die Menschen mit postsowjetischem Migrationshintergrund erst an vierter Stelle. Für sie ist das Thema "Internationale Beziehungen" mit 46,6 Prozent am wichtigsten.
Politische Partizipation: Das Internet wird von den Migrantinnen und Migranten für den politischen Austausch, zur Meinungsbildung und zur politischen Partizipation genutzt.
68,2 Prozent der türkischstämmigen Migrantinnen und Migranten haben an einer Unterschriftenaktion und 65,9 Prozent an einer Online-Demo oder einem Abstimmungsverfahren teilgenommen (Kissau 2008).
Die postsowjetischen Migrantinnen und Migranten nahmen zu 46,6 Prozent an einer Online-Abstimmung teil und haben sich mit 35,8 Prozent einer Online-Petition angeschlossen. 61 Prozent der postsowjetischen Migrantinnen und Migranten sind auf den Ebenen „Informationen“, „Diskussion“ und „Partizipation“ aktiv (Kissau 2007).
Ungeklärt ist die Frage, ob die kulturelle Herkunft ein Merkmal der digitalen Spaltung ist. Sicher ist jedoch, dass Bildung, Alter und Geschlecht auch bei der migrantischen Bevölkerung Merkmale sind, die erheblichen Einfluss nehmen auf die Nutzung bzw. Nichtnutzung des Internet.
Weitere Barrieren für die Internetnutzung von Migrantinnen und Migranten sind
Geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen beim Zugang, bei der Nutzungsintensität, bei der Zuschreibung eigener Technikkompetenzen, bei der Wahl von alternativen Zugängen und auch bei den Interessen.
Das Internet stellt für die Migrantinnen und Migranten und auch für die Aufnahmegesellschaft enorme Potenziale dar. Es ist ein Gestaltungsraum, in dem mit Gleichgesinnten über Themen gesprochen und diskutiert wird, die insbesondere Migrantinnen und Migranten interessieren und in den Massenmedien keinen Eingang finden. Gleichzeitig stellt das Internet eine virtuelle Heimat dar, in der der Migrationshintergrund ein verbindendes Element ist und die Möglichkeit bietet, eine Vielzahl von Öffentlichkeiten mit vielen kulturellen Ausdrucksformen zu kreieren.
Die Funktion der Identitätsbildung ist nicht nur für Jugendliche wichtig, sondern kann unabhängig vom Alter für alle Menschen mit Migrationshintergrund übertragen werden. Wie das Beispiel der deutschtürkischen Migrantinnen und Migranten zeigt, ist der virtuelle Raum ein Medium zur Gestaltung einer selbstbewussten deutschtürkischen Identität, der sich entwickelt und ein Teil der öffentlichen Meinungsbildung in Deutschland darstellt (Kissau 2008: 9).
Der Workshop wurde von Herrn Oliver Hinkelbein und Herrn Wolfgang Kirst geleitet, die aufgrund ihrer Expertise zu diesem Thema ausgewählt wurden. Sie führten in die Themenstellung ein. Anschließend folgte die Diskussion anhand der Leitfragen sowie die Formulierung von Thesen, die im Abschlussplenum vorgestellt wurden.
Oliver Hinkelbein bezeichnet das Thema "Digitale Integration" als Black Box. Die digitale Spaltung existiere weiterhin; die Marginalisierung einzelner Gruppen nehme im Informationszeitalter zu. Digitale Kompetenzen entscheiden zunehmend über sozio-kulturelle, politische und ökonomische Partizipation. Zu den ausgrenzenden Kategorien zählen Alter, Geschlecht, Bildung, ökonomische Stellung, soziale Herkunft, kulturelle Herkunft, Sprachfähigkeiten und Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben. Hierbei sind laut Hinkelbein die Sprachfähigkeit und die Kulturtechniken von besonderer Bedeutung.
Hinkelbein bezeichnet die digitale Integration als eine notwendige politische Strategie, um Wege aus dem gesellschaftlichen und beruflichen Abseits aufzuzeige, in der Hoffnung, dass sie auf allen Ebenen die Nutzung fördern soll. Sie beinhaltet alle Praktiken von Personen, Nicht-Regierungsorganisationen und staatlichen Einrichtungen, die darauf abzielen, digitale Kompetenzen zu vermitteln. Digitale Kompetenz umfasst zum einen das Einschätzungsvermögen, wo und wie sich Informationen finden lassen sowie die Fähigkeit, den Nutzen von Informationen erschließen zu können. Zum anderen ist die Kompetenz gemeint, die Qualität von Informationen einordnen und interpretieren zu können. Nicht zuletzt beinhaltet der Begriff die Befähigung, bestehende Ressourcen im eigenen Umfeld mit dem Werkzeug IKT zu erschließen und sich über Entwicklungen im Lebensumfeld informieren zu können.
In seinem Vortrag stellte Wolfgang Kirst hat das Projekt „buerger-gehen-online – Mit Bürgerengagement zu mehr Medienkompetenz“ vorgestellt. In diesem Projekt wurden bestehende PC-Räume für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und neue Räume geschaffen. Zentraler Bestandteil des Projekts ist der Einsatz von ehrenamtlich tätigen Mentorinnen und Mentoren. Diese begleiten und unterstützen die Neulinge beim Einstieg in die Nutzung des Internet und stehen als Ansprechpartnerinnen und -partner zur Verfügung. Sie ermutigen zum "ausprobieren" und "selber machen" am Computer und fördern damit selbst organisiertes und selbst gestaltetes Lernen interessierter Bürgerinnen und Bürger. Insgesamt existieren 20 Zugangsorte für unterschiedliche Zielgruppen mit rund 90 ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren, die im gesamten Stadtgebiet verteilt sind. Die Mentorinnen und Mentoren haben teilweise einen Migrationshintergrund, die Tendenz ist hierbei steigend.
Für Personen mit Migrationshintergrund existieren innerhalb des Projektes „buerger-gehen-online“ Unterprojekte. Dazu zählen die „Internationale Gruppe“ im Referat für Migration und Integration, das Projekt „Chancen“, ein Integrationskurs für Frauen mit Computerqualifizierung oder auch die Erstellung eines Kochbuchs für das internationale Frauenkaffee. An Eltern richten sich die Angebote der PC-Nutzung während der muttersprachlichen Beratung im Mütterzentrum und das Projekt „Internet? – aber sicher! Reinwachsen ins Medienzeitalter“, welches die Sensibilisierung von Eltern zu Chancen und Risiken beinhaltet. Das Projekt „Zweisprachige PC-Lotsen“ ist für mehrsprachige Jugendliche gedacht, die auf eine Mentorentätigkeit an den PC-Zugangsorten vorbereitet werden sollen, um als Brückenbauer fungieren zu können.
Die Erfahrungen des Projekts zeigen, dass ein großes Potenzial an bürgerschaftlich Engagierten existiert. Sie bringen sich gerne in unterschiedlichste Bildungsangebote mit Migrantinnen und Migranten ein. Als ein Erfolgsfaktor konnte die „Geselligkeit“ bei den offenen Treffen ausgemacht werden. Transparenz in den Angeboten senkt die Zugangsbarrieren. Manch guter Einfall ist plötzlich und zufällig entstanden.
Es wurde aber auch festgestellt, dass gute Ansätze verschwinden, weil Finanzmittel aufgrund von Projektbeendigung oder Kürzungen fehlen oder weil sich der rechtliche Rahmen ändert. Außerdem müssen Vernetzungsmöglichkeiten von muttersprachlichen Angeboten zu anderen Angeboten gefunden werden.
Umfangreiche digitale Kompetenzen erhöhen Arbeitsplatzchancen auch in weniger qualifizierten Betätigungsfeldern, erweitern die Nutzungsmöglichkeiten staatlicher und privater Dienstleistungen, schaffen Chancengleichheit in der Ausbildung, tragen zur Medienerziehung in der Familie bei und vergrößern die Teilhabe am soziokulturellen und politischen Leben.
In der Diskussion wurde ein Projektbeispiel genannt, welches sehr offen war, da es keinen bestimmten Inhalt hatte und jeder Teilnehmer seinen spezifischen Inhalt selbst bestimmen konnte. Dieses Angebot hatte jedoch kein dauerhaftes Potenzial, da es nicht gut angenommen wurde: insbesondere bildungsferne Personen konnten nicht einbezogen werden.
Bestehende Angebote werden oftmals nicht von bildungsfernen Personen genutzt; es existiert ein Kreis von Personen der sich dagegen verwehrt. In der Diskussion wurde hinterfragt, ob Online-Kompetenz für alle sinnvoll ist. Kinder vermitteln häufig ihren Eltern Wissen über das Internet und stärken somit ihre Online-Kompetenz.
Es existieren Kursangebote, die von bildungsfernen Personen mit Migrationshintergrund angenommen werden. In der Diskussion wurde ein Beispiel genannt, in dem Frauen mit Migrationshintergrund das Internet über Suchmaschinen nähergebracht wurde. Hier konnten die Teilnehmerinnen nach persönlich relevanten Themen recherchieren und sie anschließend in der Gruppe diskutieren, ohne sich über die eigene Situation in Bezug auf dieses Thema auslassen zu müssen. Damit Internetkurse wahrgenommen werden, sollten spezifische Interessen mit dem Internet verknüpft werden.
Der Frauenanteil ist in Projekten, die die Online-Kompetenz fördern, wesentlich höher als der Anteil an Männern. Warum dies so ist und wie auch Männer mit Migrationshintergrund erreicht werden können, blieb offen.
Die Zielgruppe Frauen und Männer in Erwerbsarbeit und Familie ist sehr heterogen und umfasst insgesamt eine große Anzahl von Personen. Aus diesem Grund ist es schwierig für diese Gruppe ein konkretes Konzept für Internetkurse zu entwickeln. In bestimmten Berufsgruppen ist Online-Kompetenz im Berufsleben nicht nötig. Daher besteht hier wenig Eigeninteresse, diese zu erwerben. Ein gewisses Eigeninteresse ist aber notwendig für die Motivation, an Internetkursen teilzunehmen.
Zu den Barrieren digitaler Integration zählen auf der einen Seite geringe Lese- und Schreibkompetenz und mangelnde sprachliche Fähigkeiten, schlechte Erfahrungen mit „Integrationsangeboten“ sowie andere Schwerpunkte im Lebensalltag, insbesondere bei bildungsfernen Personen. Auf der anderen Seite sind die Nichtberücksichtigung spezifischer Bedürfnisse von Personen mit Migrationshintergrund und schlechte Kenntnisse der Lebenswelten von Migrantinnen und Migranten hinderlich.
Bei Kursangeboten sollten die Interessen der bildungsfernen Personen berücksichtigt werden. Dazu müssen die Interessen von bildungsfernen Personen recherchiert und innerhalb der Gruppe der Frauen und Männer im Erwachsenenalter noch einmal einzelne Zielgruppen definiert werden, um auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen zu können.
Zusätzlich sollte insbesondere mehr qualitative Forschung zur Identifizierung von Zugangsbarrieren betrieben werden. Der Bottom-up-Ansatz, der die Beteiligten auf allen Ebenen des Entscheidungsfindungsprozesses mit einbindet, sollte bei der Erstellung von Kursangeboten zum Einsatz kommen. Der Zugang und das Wissen um die Nutzung des Internet sollte in den Kursangeboten vermittelt werden. Außerdem sollte die Technik als ein Alltagsmittel angesehen werden, aber zusätzlich müssten die Risiken des Internet aufgezeigt werden, denn es benötigt viel Übung, das Gute vom Schlechten trennen zu können. Dabei sollte jede Bürgerin und jeder Bürger die Möglichkeit haben, Kompetenzen zu erwerben.
Die Kurse sollten nicht nur in Schulen etc. angeboten werden, sondern an informelleren Orten, die z. B. auch in der Freizeit gerne besucht werden. Bildungsferne Personen könnten möglicherweise durch Institutionen, an denen sie negative Erfahrungen gemacht haben, abgeschreckt werden und dort angesiedelte Kursangebote ablehnen.
Außerdem sollten Migrantenselbstorganisationen bei der Erstellung von Kursangeboten einebezogen werden.
Zwei Fragen kristallisierten sich heraus:
Spezielle Zugangsmöglichkeiten und Angebote sollten gemeinsam mit internetfernen Gruppen entwickelt werden. Wie kann man diesen Gruppen spezielle Zugangsmöglichkeiten eröffnen? Dabei sollten die Interessen dieser Gruppe als Orientierung verwendet werden. Zielgruppen müssen hier noch einmal eindeutiger definiert werden, da die Gruppe der bildungsfernen Personen keine eindeutige Zielgruppe darstellt. Zielgruppen müssen bekannt sein, wenn spezielle Zugangmöglichkeiten entwickelt werden sollen.
Thematische Einführung WS-Leiste 1 [386,60 kB | pdf]
WS Erwachsene: Ergebnis [357,31 kB | pdf]
WS Erwachsene: Hinkelbein [434,18 kB | pdf]
WS Erwachsene: Kirst [3,16 MB | pdf]