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Kompetenzzentrum

Ausbildungschancen junger Migrantinnen und Migranten: Große Unterschiede je nach Herkunftsland

Dass die Suche nach einer Ausbildungsstelle für Jugendliche aus Familien mit einer Migrationsgeschichte viel schwieriger ist als für Jugendliche ohne Migrationshintergrund, ist bekannt. Dass es aber auch innerhalb der Gruppe der jungen Migrantinnen und Migranten noch einmal große Unterschiede je nach ihrer Herkunftsregion gibt, zeigt eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

So ist es insbesondere für Jugendliche, deren Familien aus der Türkei oder arabischen Staaten stammen, deutlich schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden, als für Jugendliche anderer Herkunftsregionen - auch wenn sie über die gleichen Schulabschlüsse verfügen. Die Ergebnisse der BIBB-Untersuchung sind in der aktuellen Ausgabe von BIBB REPORT, Heft 16/11, veröffentlicht.

Die Untersuchung des BIBB beruht auf der Befragung ausbildungsreifer Jugendlicher, die bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) als Bewerberinnen und Bewerber um einen Ausbildungsplatz gemeldet waren (BA/BIBB-Bewerberbefragung 2010). Sie zeigt, dass sich bei Bewerberinnen und Bewerbern mit türkisch-arabischem Hintergrund kein Vorteil eines mittleren Schulabschlusses erkennen lässt. Die Übergangsquoten in eine betriebliche Ausbildung sind mit 20 % ebenso niedrig wie bei maximal einem Hauptschulabschluss. Selbst wenn diese Jugendlichen eine (Fach-)Hochschulreife vorweisen können, bleiben ihre Aussichten gering (26 %).

Bei Bewerberinnen und Bewerbern südeuropäischer Herkunft ist dies anders: Während auch ihnen mit einem Hauptschulabschluss nur vergleichsweise selten der Übergang gelingt (22 %), steigt ihre Erfolgswahrscheinlichkeit bei einem mittleren Schulabschluss bereits beträchtlich an (40 %). Besitzen sie die (Fach-)Hochschulreife, so ist die Einmündungsquote mit 59 % sogar die höchste von allen Vergleichsgruppen - einschließlich der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.

Die gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber mit südeuropäischer Herkunft besitzen mit 48 % am häufigsten maximal einen Hauptschulabschluss. Bei türkisch-arabischer Herkunft sind es 45 %, bei osteuropäischer 43 %. Ohne Migrationshintergrund beträgt der Anteil lediglich 33 %. Bewerberinnen und Bewerber mit türkisch-arabischem Hintergrund weisen relativ häufig einen mittleren Schulabschluss (45 %) auf, aber nur selten die (Fach-)Hochschulreife (7 %). Bei südeuropäischer Herkunft erreichen die entsprechenden Anteile 38 % und 10 %, bei osteuropäischer Herkunft 42 % und 13 % (ohne Migrationshintergrund 51 % und 14 %).

Junge Migrantinnen und Migranten werden bei der Ausbildungsplatzsuche zudem seltener zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Während sich mehr als drei Fünftel der Bewerberinnen und Bewerber ohne Migrationshintergrund persönlich in Betrieben vorstellen können, trifft dies nur auf die Hälfte der jungen Migrantinnen und Migranten zu. Noch niedriger liegt der Anteil bei Jugendlichen mit türkisch-arabischem Hintergrund (46 %).

Angesichts solcher Zahlen sieht BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser weiteren Forschungsbedarf: "Das BIBB wird daher die Auswahlprozesse der Betriebe bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen noch differenzierter untersuchen." Esser plädiert dafür, insbesondere Jugendlichen mit Migrationshintergrund über eine verstärkte Berufsorientierung und Praktika einen Einblick in die Betriebe und damit den Betrieben beste Voraussetzungen für die Rekrutierung ihres Nachwuchses zu ermöglichen. So hätten beide Seiten - Betrieb und Jugendliche - die Möglichkeit, sich kennen und schätzen zu lernen. "Denn letztendlich müssen wir allen eine faire Chance auf Ausbildung geben. Nur so kann eine wirkliche Integration unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger gelingen."

Die vollständige Studie finden Sie hier.

Quelle: http://www.kompetenzz.de/Aktuelles/Ausbildungschancen-junger-Migrantinnen