Anne Proetzsch (Fachgebiet Verifikation)

Foto Anne Proetzsch

Diplom-Informatikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt Verisoft

Anne Proetzsch entwickelte schon früh eine Faszination für Informatik und studierte nach dem Abitur dieses Fach an der Universität Kaiserslautern mit den Schwerpunkten Datenbanken, Robotik und Verifikation. Seit Beendigung ihres Studiums in 2003 ist die 27-Jährige als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt Verisoft tätig. Anne Proetzsch ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn.

 

Anne, wie sind Sie persönlich zur Informatik gekommen?

Durch meinen Vater bin ich schon mit Rechnern groß geworden und habe früh eine Faszination für die Informatik entwickelt. In der Schule war Mathematik eines meiner Lieblingsfächer und dieses fand ich auch als einen Schwerpunkt im Informatikstudium wieder.

Was hat Ihnen an Ihrem Studium besonders gefallen? Wie war die Situation als eine der wenigen Frauen im Informatikstudium?

An meinem Studium hat mir besonders die Verbindung von Mathematik, logischem Denken und Technik gefallen. Als eine der wenigen Frauen (wir waren zu fünft in unserem Semester bei 100 Studierenden insgesamt) ist man natürlich bekannt wie ein bunter Hund. Ein Professor begann seine Vorlesung entsprechend mit der Begrüßung "Guten Morgen, meine Herren! Guten Morgen, die Dame!" Ich hatte als Frau nie mit Benachteiligungen zu kämpfen. Im Gegenteil: Ich wurde besonders unterstützt.

Sie arbeiten mittlerweile im Forschungsprojekt Verisoft an der Verifikation von Software. Was genau machen Sie dort?

In unserem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt entwickeln wir Methoden für die formale Verifikation von komplexen Computersystemen, die Soft- und Hardware umfassen. Die Verifikation beschäftigt sich mit der Korrektheit von Software und Hardware, wie beispielsweise einer Airbagsteuerung oder einer Biometriesoftware (die zum Beispiel bei dem neuen Reisepass zum Einsatz kommt). Mit Hilfe mathematischer Methoden schließen wir ungewolltes Verhalten der Software aus und garantieren ihre Korrektheit.

Eine Airbagsoftware sollte beispielsweise die Eigenschaft erfüllen, dass sie ab einer bestimmten Aufprallgeschwindigkeit den Airbag auslöst, so dass einerseits im Ernstfall der Airbag aufgeht, andererseits bei kleineren Unfällen (zum Beispiel beim Einparken) der Airbag nicht zum Einsatz kommt.

Innerhalb meines Gebietes sorge ich zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen sowie einigen wissenschaftlichen Hilfskräften für die Erfüllung der Projektziele. Dies beinhaltet das Erarbeiten von Lösungsansätzen für die gegebenen Probleme, die Erstellung von Konzepten für die benötigte Software und letztlich auch die Implementierung. Weiterhin pflege ich Kontakte zu industriellen Partnern und betreue Studierende bei ihren Studien- und Diplomarbeiten. In regelmäßigen Abständen finden Projekttreffen statt, auf denen ich unsere Ergebnisse in Form von Postern, Vorführungen und Vorträgen vorstelle.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen sehen Sie für Ihr Tätigkeitsfeld in der Zukunft?

Informatik ist allgegenwärtig: In jeder Waschmaschine, in jedem Handy, in jedem Auto befinden sich Rechner und die entsprechende Software. Auch das Internet bietet immer noch tolle Entwicklungsmöglichkeiten. Die Verifikation wird mit Sicherheit eine immer wichtigere Rolle spielen, da sie auch hochaktuelle Themen wie den Datenschutz betrifft. Aus meiner Perspektive sind die Zukunftsaussichten in der Informatik also sehr gut.

Was braucht eine Informatikerin, um im Beruf voran zu kommen?

Eine gute Portion Neugier auf Neues (auch als Forschungsgeist bekannt), Interesse an Mathematik und logischem Denken und keine Angst vor Männern, denn diese sind allgegenwärtig. Ehrgeiz und Frechheit an den richtigen Stellen hat mir auch schon oft weitergeholfen.

Welchen Rat würden Sie einer interessierten Schülerin mit auf den Weg geben?

Die allseits verbreitete Ansicht, dass Männer in technischen Studiengängen besser abschneiden ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Von den fünf Anfängerinnen aus meinem Semester haben vier ihr Diplom gemacht und eine ist kurz davor. Von den 95 Männern dagegen haben viele das Studium abgebrochen. Auch die Ansicht, dass im Informatikstudium nur programmiert wird, stimmt nicht. Informatik ist viel mehr als das! Sie beinhaltet beispielsweise zu einem großen Teil Mathematik und Elektrotechnik. Aus diesem Grund sind auch die "Hacker" meist nicht die erfolgreichsten Informatikstudenten.
Also: Wenn dich die Informatik interessiert, sei mutig und lass dich von solchen Klischees nicht abschrecken!

Ihr erstes Kind ist Ende 2005 zur Welt gekommen - können Sie Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren?

Ja, bisher klappt alles super! Momentan bin ich in Elternzeit. Ich habe aber vor, im Oktober oder November 2006 wieder in den Beruf einzusteigen. Wir haben unseren Sohn bereits in einer Kindertagesstätte in der Nähe angemeldet. Mein Arbeitgeber unterstützt es sehr, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen, und mein Beruf eignet sich auch wunderbar für das Arbeiten von zu Hause aus. Eine Rechner und eine Internetverbindeung ist alles, was ich dazu brauche.

Auf der Website des Projekts Verisoft ( www.verisoft.de) findest du weiterführende Informationen zur Verifikation.

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