Dr. Martina Schollmeyer (Fachgebiet IT, Automobilbranche)
IT-Führungskraft bei der BMW AG
Das Interesse für Informatik wurde bei Martina Schollmeyer durch Zufall geweckt: Als sie in den Schulferien einen Ferienjob in einem Rechenzentrum annahm, war sie so fasziniert von der Arbeit dort, dass sie versuchte, möglichst viel über Computer zu lernen. Sie entschloss sich daraufhin, Technische Informatik an der FHT Esslingen zu studieren. Mit einem Stipendium ging sie nach dem Studium in die USA, wo sie sieben Jahre lang blieb. Während dieser Zeit promovierte sie und war als Professorin tätig. Seit 1999 ist Martina Schollmeyer als Führungskraft in der Informationstechnik (IT) bei der BMW AG tätig.
Motto: Sag was du meinst und du bekommst was du willst!
Frau Schollmeyer, wie und wo haben Sie Ihr Interesse für Informatik entdeckt?
Durch Zufall während eines Ferienjobs als Schülerin: Ich arbeitete in einem Rechenzentrum, das von der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt und von einem Bauunternehmen genutzt wurde. Die Leute dort erkannten mein Interesse und hatten Spaß daran, mir ihre Arbeit zu zeigen. Außerdem habe ich dort gelernt, wie Computer für Anwendungen aus dem "echten Leben" eingesetzt werden, nämlich konkret für die Berechnung von Brücken oder für die Entwürfe der Ariane-Rakete.
Wie ging es dann weiter?
Ich habe mich nach der Schule entschlossen, Technische Informatik an der FHT Esslingen zu studieren. Als eine von zwei Frauen unter 60 Männern war das Studium eigentlich ganz angenehm, da ich immer Unterstützung von den männlichen Kommilitonen bei den schwierigen Laborübungen bekommen habe. Nach dem Studium bin ich 1988 mit einem Stipendium in die USA gegangen, wo ich 1994 in Computer Science promoviert habe und noch ein weiteres Jahr als Assistant Professor tätig war.
Mittlerweile sind Sie bei BMW in München tätig. Was genau ist dort Ihre Aufgabe?
Ich bin Führungskraft im IT-Bereich. In meiner aktuellen Arbeit bringe ich die Menschen, die für die IT zuständig sind, die im Auto mitfährt, mit den Menschen zusammen, die die IT-Systeme im Rechenzentrum entwickeln und betreuen.
Warum ist diese Arbeit wichtig?
Nun, es wird zukünftig mehr und mehr IT-Systeme geben, die sowohl Komponenten im Fahrzeug haben als auch Komponenten auf zentralen Systemen im Rechenzentrum. Beispielsweise im Bereich der Fahrzeugwartung: Wenn man in naher Zukunft mit einem Fahrzeug in eine Werkstatt fährt, wird sich das Fahrzeug drahtlos beim "Empfang" anmelden und die eigenen Daten, wie zum Beispiel Informationen aus den Fehlerspeichern, sowie die Kundendaten weitergeben können. Kunde oder Kundin kann dann sofort namentlich begrüßt werden und die Servicetechnikerin bzw. der Servicetechniker kann aus den Daten des Fahrzeugs bereits erkennen, wo das Problem liegt, und abschätzen, wie lange die Reparatur dauert. IT ist hier überall dort im Spiel, wo es um die Verwaltung der Daten im Fahrzeug geht, um das Hoch- und Herunterladen in das Netzwerk der Werkstatt und um das Abrufen der Kundinnendaten aus den zentralen IT-Systemen des Unternehmens. Ohne den Austausch und die Zusammenarbeit der Verantwortlichen für die unterschiedlichen IT-Bereiche würde es beim Datenaustausch immer wieder zu Problemen kommen.
Wie müssen wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Morgens lese ich als Erstes meine E-Mails und schaue in meinen Kalender für die anstehenden Meetings. Ungefähr zwei Drittel des Tages verbringe ich in Besprechungen und Arbeitsmeetings, bei denen es, wie schon erwähnt, insbesondere darum geht, ein gemeinsames Verständnis der IT im und auch außerhalb des Fahrzeugs zu bekommen. Meine Hauptaufgabe sind die Moderation dieser Treffen sowie das Herbeiführen von Entscheidungen und Abstimmungen. In meinem Job sind sowohl fachliche als auch außerfachliche Qualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit und Teamwork gefragt. Durch diese Mischung verschiedener Anforderungen macht mir meine Arbeit viel Spaß.
Was meinen Sie, was braucht eine Informatikerin, um im Beruf voranzukommen?
Natürlich braucht man viel fachliches Know-how, Engagement und ein bisschen Ehrgeiz. Die Informatik hilft uns auch durch ihre strukturierte Vorgehensweise, schwierige Themen (auch Nicht-IT-Themen) zu analysieren und Schwachpunkte aufzuzeigen. Damit ist das Spektrum der möglichen Tätigkeiten sehr breit.
Frauen sind aber häufig zu bescheiden und reden zu wenig über ihre Erfolge. Um im Beruf voranzukommen, muss man viel trommeln und ein breites Netzwerk haben. Männer tun das auch! Niemand wird auf uns zukommen und uns (be)fördern, wenn wir dies nicht selbst einfordern.
Viele Informatikerinnen und Ingenieurinnen haben sich in Vereinen und Verbänden zusammengeschlossen, um ihre Belange in der Öffentlichkeit und im Berufsleben stärker zu vertreten und ihre Berufe für Frauen attraktiver zu machen. Sie bieten u.a. Beratungen an und stehen als Mentorinnen zur Verfügung. Mehr dazu erfährst du unter www.gi-ev.de/fachbereiche/fa_81, www.vdi.de/fib, oder www.vde.com/VDE/Ausschuesse/Elektroingenieurinnen.










