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Informatikerinnen im Beruf

Prof. Dr. Kerstin Dautenhahn (Fachgebiet Mensch-Roboter-Interaktion)

Foto von Prof. Dr. Kerstin Dautenhahn

Professorin für Künstliche Intelligenz

Kerstin Dautenhahn studierte an der Universität Bielefeld Biologie, eignete sich aber bereits während des Studiums auch ein breites Wissen in Informatik an. Dadurch war es ihr möglich, nach der Promotion in die Forschung zu gehen und ihr interdisziplinäres Wissen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik anzuwenden. Heute arbeitet die 42-Jährige als Professorin an der Universität Hertfordshire in der Nähe von London. Sie ist verheiratet und hat eine kleine Tochter.

Frau Dautenhahn, Sie haben Biologie studiert, waren aber schon immer auch von Informatik fasziniert. Wie haben Sie es geschafft, beide Gebiete miteinander zu verbinden?

Ich habe mir lange nicht vorstellen können, dass das überhaupt möglich ist. Während des Studiums merkte ich aber ziemlich schnell, dass es mir nicht reicht, Natur und Tiere nur zu beobachten oder ihr Verhalten experimentell zu beeinflussen. Ich wollte auch verstehen, warum etwas passiert, warum sich Tiere beispielsweise so und nicht anders verhalten. Um Antworten auf solche Fragen zu erhalten, genügt es aber nicht, Prozesse einfach nur zu beobachten, sondern man muss dann auch Methoden verwenden, die eher aus dem Bereich der Informatik kommen, wie etwa die Computermodellierung. Mit dieser Methode ist es möglich, die Realität modellhaft abzubilden und den Einfluss unterschiedlicher Faktoren zu überprüfen und zu simulieren. An der Universität Bielefeld konnte ich neben dem Biologiestudium auch Vorlesungen in Mathematik und Informatik besuchen und mir so auch auf diesen Gebieten ein breites Wissen aneignen. Dadurch war es mir möglich, nach meiner Promotion in Biologie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Künstliche Intelligenz/Robotik anzufangen. Nur mit Biologie wäre das nicht möglich gewesen.

Mittlerweile sind Sie Professorin für künstliche Intelligenz an der Universität Hertfordshire in England. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag dort aus?

Als Professorin gebe ich natürlich Vorlesungen. Einen Großteil meiner Arbeit widme ich jedoch der Forschung. Ich habe an der Uni Hertfordshire eine Forschungsgruppe zum Thema "Mensch-Roboter-Interaktion" aufgebaut und wir sind in verschiedenen Forschungsprojekten aktiv. Zum einen leite ich diese Arbeitsgruppe und bringe neue Ideen ein, arbeite aber auch intensiv mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Wir sitzen täglich mehrere Stunden beieinander und sprechen dann ganz konkret über die Arbeit, über die Programmierung, welche Software verwendet werden soll usw.

Sie erwähnten, dass Sie in verschiedenen Forschungsprojekten aktiv sind. Um was für Projekte handelt es sich dabei?

Gemeinsam mit meiner Forschungsgruppe bin ich in die europäischen Kooperationsprojekte Cogniron und RobotCub eingebunden. Im Projekt Cogniron arbeiten wir daran, die kognitiven Fähigkeiten von Robotern weiterzuentwickeln. Es geht im Prinzip darum, Roboter so zu konstruieren, dass sie in der Lage sind, sich in alltäglichen Umgebungen, wie zum Beispiel einer Wohnung, zurechtzufinden und mit Menschen zu interagieren. Dafür müssen sie in gewisser Weise ´lernfähig` sein. Ziel ist die Entwicklung eines Roboterassistenten, der uns Menschen unterstützt, also beispielsweise Hausarbeiten für uns erledigt.

Im Projekt RobotCub entwickeln wir einen kindlichen Roboter, der seine Umwelt selbst erkunden und aus Erfahrungen lernen soll. Damit wollen wir herausfinden, ob Roboter in der Lage sind, ähnlich wie Lebewesen eigenständig zu lernen, und gehen zudem der Frage nach, welche Rolle die Interaktion mit Menschen und anderen Robotern dabei spielt.

Eines meiner Lieblingsprojekte ist ein eher kleines Projekt namens Aurora. In diesem Projekt setzen wir Roboter als therapeutische Spielzeuge für autistische Kinder ein. Autistische Kinder haben Probleme, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, da deren Handlungen für sie irritierend und unverständlich sind. Sie gehen aber relativ selbstverständlich mit Technik um, da diese strukturiert und vorhersagbar ist. Mit unserem Roboterspielzeug versuchen wir, die Kinder an menschliches Verhalten zu gewöhnen und sie dadurch vielleicht ein Stück weit aus ihrer Isolation herauszuholen.

In Ihren Projekten scheinen demnach psychologische und soziale Aspekte eine große Rolle zu spielen.

Oh ja. Mittlerweile hat sich auch in der eher traditionellen, ingenieursorientierten Robotik die Einsicht durchgesetzt, dass eine interdisziplinäre Sichtweise verfolgt werden muss. Expertinnen und Experten aus den verschiedensten Wissensgebieten, wie etwa der Informatik, der Psychologie, der Pädagogik, der Medizin und der Neurologie, müssen alle gemeinsam am Forschungsprozess beteiligt sein - sonst werden wir niemals Roboter entwickeln können, die für uns Menschen nützlich und akzeptabel sind.

Arbeiten in Ihrem Team viele Frauen?

Leider nein - und eigentlich verstehe ich nicht warum. Unsere Projekte sind sehr spannend und es geht oft ganz konkret darum, Menschen zu unterstützen und ihnen zu helfen. Dieser Themenbereich sollte sowohl männliche als auch weibliche Forschende interessieren. Trotzdem erhalten wir nur sehr wenige Bewerbungen von Frauen.

Weitere Informationen zu der Arbeit und den Projekten von Kerstin Dautenhahn findest Du unter: http://homepages.feis.herts.ac.uk/~comqkd/. Zudem bietet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Robotik und Mechatronik ( www.dlr.de/rm) eine Fülle an weiteren Informationen.

 

Antje Grande (Fachgebiet Umweltinformatik)

Umweltwissenschaftlerin und Entwicklerin Geografischer Informationssysteme

Ihr Abitur machte Antje Grande, 27, mit den Leistungskursen Deutsch und Geschichte. Informatik hatte sie weder als Fach, noch nahm sie an einer Arbeitsgruppe teil. Erst während des Studiums der Umweltwissenschaften an der Universität Lüneburg stellte sie fest, dass die Paarung Umweltwissenschaften und Informatik genau ihren Interessen entsprach. Seit 2005 ist sie bei der Firma Giscon Geoinformatik GmbH in Braunschweig beschäftigt und arbeitet dort an der Entwicklung von Geografischen Informationssystemen (GIS).

Antje, wie sind Sie darauf gekommen, Ihr Studium der Umweltwissenschaften mit der Informatik zu verbinden?

Durch Zufall. Ich habe während des Studiums der Umweltwissenschaften eine Wahlpflichtveranstaltung im Bereich Umweltinformatik besucht und festgestellt, dass das genau das ist, was ich machen möchte.

Sie arbeiten mittlerweile bei der Firma GISCON Geoinformatik - was sind dort Ihre Aufgaben?

GISCON bietet Beratungen, Schulungen und Dienstleistungen rund um Geografische Informationssysteme (GIS) an. Mein Haupttätigkeitsbereich liegt in der Konzipierung und Entwicklung von Internet-GIS-Anwendungen sowie der Kundinnen- und Kundenbetreuung und der Schulung von Nutzerinnen und Nutzern.

Was genau sind Geografische Informationssysteme und wozu werden sie benötigt?

Vereinfacht ausgedrückt werden als GIS Systeme bezeichnet, die Informationen die einen räumlichen Bezug haben (bei denen es also wichtig ist, wo sie stattfinden), erfassen, aufbereiten und speichern können. Wichtig ist dabei zunächst die Bestimmung der Position, die heute zumeist über Satelliten erfolgt. Hinzu kommt die Nutzung von Datensätzen aus Mess- und Beobachtungsmessnetzen, die beispielsweise umweltrelevante, wirtschaftliche oder soziale Informationen beinhalten. Mit einem GIS ist es möglich, die unterschiedlichen Datensätze untereinander so zu verknüpfen, dass interessante, ortsbezogene Informationen dabei herauskommen, die durch ein GIS zudem noch grafisch dargestellt werden können.

Eigentlich ist die Anwendung von GIS in allen Bereichen notwendig: Umweltschutzmaßnahmen, Stadt- und Landschaftsbau oder auch Verkehrswege können nur sinnvoll geplant werden, wenn die an diesem Ort bestehende spezifische Situation in die Planung einbezogen wird. Eine Müllhalde sollte beispielsweise nicht in der Nähe eines Naturschutzgebietes oder Wohngebietes gebaut werden oder dort, wo das Grundwasser verunreinigt werden könnte. Viele andere Faktoren spielen da auch noch eine Rolle, die mit GIS abgefragt werden können.

Wie müssen wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Mein Arbeitsalltag besteht zu 70 bis 80 Prozent aus Büroarbeit. Einen Großteil dieser Zeit programmiere ich, in der übrigen Zeit übernehme ich konzeptionelle Arbeiten sowie die Kundinnen- und Kundenbetreuung oder -beratung. Die verbleibenden 20 bis 30 Prozent sind Termine - das können Schulungen sein, die ich gebe, oder Abstimmungsgespräche mit Kundinnen und Kunden, Vor-Ort-Support und Ähnliches.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders?

An meinem Beruf mag ich besonders die Entwicklungsarbeit: Man plant zunächst etwas, man fängt an, es umzusetzen - man hängt irgendwo, muss tüfteln, suchen, probieren - plötzlich geht es weiter, man hat die Lösung gefunden! Dieses Gefühl ist unbeschreiblich! Auch das Abschließen eines Projektes hat etwas - es ist der handwerkliche Aspekt an meinem Beruf: Man hat etwas geschaffen, das von anderen genutzt werden kann.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen im Job?

Eine große Herausforderung war für mich das Lernen einer Programmiersprache, da dies nicht Bestandteil meines Studiums war. Eine weitere große Herausforderung liegt in der ständigen Weiterentwicklung meines Arbeitsbereichs - man muss immer am Ball bleiben. Das genau macht aber einen sehr großen Teil des Reizes aus, den dieser Beruf für mich bedeutet!

Welchen Rat würden Sie einer interessierten Schülerin mit auf den Weg geben?

Umgucken, Praktika machen! Informatik lernst du noch viel weniger im Hörsaal als andere Fächer. Die Theorie, also die Konzepte der Softwareentwicklung und die möglichen Herangehensweisen, ist immens wichtig, keine Frage. Aber die Umsetzung - was das für die tägliche Arbeit bedeutet, wie ich damit umgehe -, das lernt man nur in der Praxis. Außerdem sind Praktika wirklich wichtig, um Kontakte für einen späteren Job zu kriegen.

Die ganze Welt der Geowissenschaften wird dir unter www.planeterde.de vorgestellt.

 

Dr. Susanne Krömker (Fachgebiet Computervisualisierung)

Foto Susanne Kroemker

Leiterin der Arbeitsgruppe Visualisierung und Numerische Geometrie am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg

Zur Informatik kam Susanne Krömker; als sie ihr Diplom in Mathematik machte: Bei der Suche nach einem geeigneten Programm zur Visualisierung ihrer Diplomarbeit stieß sie auf einen Grafikrechner, der ihr dafür vielfältige Möglichkeiten bot. Heute ist sie Leiterin der Arbeitsgruppe Visualisierung und Numerische Geometrie am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg - ihr Fachgebiet ist die Computervisualisierung.

Motto: "Doch das Paradies ist versiegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist." (Heinrich von Kleist, Marionettentheater)

Frau Krömker, wie sind Sie zur Informatik gekommen?

Ursprünglich wollte ich Kunst studieren, hatte aber gleichzeitig auch ein großes Interesse an Naturwissenschaften und habe mich schließlich für Mathematik entschieden. Der hohe Grad an Abstraktion und das Erkennen einer klaren Struktur haben eine starke Faszination auf mich ausgeübt.

Zur Informatik kam ich eher über den Umweg, dass ich für die Visualisierung meiner Ergebnisse aus der Diplomarbeit kein sinnvolles Programm zur Verfügung hatte. Gleichzeitig wurde am Sonderforschungsbereich gerade ein spezieller Grafikrechner angeschafft, mit dem sich noch niemand wirklich auskannte. Als wissenschaftliche Hilfskraft habe ich mich intensiv mit dem Rechner befasst und war fasziniert von den Möglichkeiten, die sich mir dadurch boten.

Inzwischen leiten Sie am IWR die Arbeitsgruppe Visualisierung und Numerische Geometrie. was genau sind dort Ihre Aufgaben?

Meine Aufgaben sind vielfältig, da Visualisierung in jeder Fachrichtung angewendet wird. Bilder eignen sich dabei besonders gut, um sich zwischen den Einzeldisziplinen besser über die Sachverhalte zu verständigen.

Architektur ist ein Beispiel für die Visualisierung dreidimensionaler Objekte am Computer. Innerhalb eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Einzelprojekts haben wir uns ausführlich mit einer Besonderheit islamischer Architektur befasst: Muqarnas. Diese aus einfachen Modulen zusammengesetzten komplexen Stalaktitengewölbe haben wir auf ihre mathematischen Strukturen untersucht und mit diesen Regeln algorithmisch rekonstruiert. Außerdem haben wir Anfang 2005 die Projektgruppe Angkor für Studierende der Universität Heidelberg und der University in Phnom Penh ins Leben gerufen, wo wir uns unter anderem mit der Rekonstruktion von Tempelanlagen in Kambodscha befassen. Auf der Basis unserer Daten können Restaurierungs- oder auch Wiederaufbauarbeiten durchgeführt werden. Zudem sind sie auch für virtuelle Museumsausstellungen attraktiv.

Architektur aufgrund von archäologischen Untersuchungen und kunsthistorischen Hypothesen zu rekonstruieren ist eine Herausforderung, die eine enge Zusammenarbeit mit den Geisteswissenschaften nötig macht. Es ist also eine recht interdisziplinäre Angelegenheit und zudem ist es schön, an der Restaurierung und dem Erhalt eines Weltkulturerbes mitzuwirken.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Während des Semesters halte ich Vorlesungen oder gebe Seminare über spezielle Themen der Computergrafik. Ich vergebe Aufgaben im Rahmen von Softwarepraktika, Themen für Bachelor-Arbeiten oder betreue Diplomarbeiten und Dissertationen innerhalb der Projekte, die mit Computergrafik zu tun haben. Ich organisiere Workshops und Studienaufenthalte für ausländische Gaststudentinnen und -studenten, lade zu Vorträgen nach Heidelberg ein oder halte selbst Gastvorträge an anderen Universitäten.

In meinem Beruf kann ich einen Bereich gestalten, meine Persönlichkeit einbringen und habe mit vielen Studierenden Kontakt, was eine junge und kreative Atmosphäre bedeutet. Zudem bin ich heute über den Umweg der Computergrafik meinem ursprünglichen Wunsch nach visueller Gestaltung wieder sehr nah und kann außerdem viel kreativer in die Entwicklung der Thematik eingreifen.

Wer hat Sie in Ihrem beruflichen Werdegang besonders unterstützt?

Mein beruflicher Werdegang wurde in entscheidenden Momenten von der Unterstützung durch meine Großmutter, durch die Studienstiftung und durch meinen Doktorvater beeinflusst: Meine Oma gab mir den Mut, das gewohnte Umfeld zu verlassen und allein in eine weit entfernte Universitätsstadt zu gehen. Die Studienstiftung bot mir erstklassige Kontakte und den finanziellen Rahmen für meine Ziele und mein Doktorvater gab mir die wissenschaftlichen Themen und ein freies Umfeld, meine eigenen Ideen umzusetzen.

Was ist in Ihrem Beruf die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung ist immer wieder, neu anzufangen. Das gilt im besonderen Maße für eine im Vergleich zu anderen Fachrichtungen junge Disziplin wie Informatik. Was gestern noch galt, hat sich morgen überholt. Es macht Spaß, sich an dieser Entwicklung aktiv zu beteiligen.

Weitere Informationen über die Arbeit von Susanne Krömker gibt es auf der Website www.iwr.uni-heidelberg.de/~Susanne.Kroemker . Und zum Thema Computervisualisierung findest Du z.B. unter www.igd.fhg.de hilfreiche Tipps.

 

Anne Proetzsch (Fachgebiet Verifikation)

Foto Anne Proetzsch

Diplom-Informatikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt Verisoft

Anne Proetzsch entwickelte schon früh eine Faszination für Informatik und studierte nach dem Abitur dieses Fach an der Universität Kaiserslautern mit den Schwerpunkten Datenbanken, Robotik und Verifikation. Seit Beendigung ihres Studiums in 2003 ist die 27-Jährige als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt Verisoft tätig. Anne Proetzsch ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn.

Anne, wie sind Sie persönlich zur Informatik gekommen?

Durch meinen Vater bin ich schon mit Rechnern groß geworden und habe früh eine Faszination für die Informatik entwickelt. In der Schule war Mathematik eines meiner Lieblingsfächer und dieses fand ich auch als einen Schwerpunkt im Informatikstudium wieder.

Was hat Ihnen an Ihrem Studium besonders gefallen? Wie war die Situation als eine der wenigen Frauen im Informatikstudium?

An meinem Studium hat mir besonders die Verbindung von Mathematik, logischem Denken und Technik gefallen. Als eine der wenigen Frauen (wir waren zu fünft in unserem Semester bei 100 Studierenden insgesamt) ist man natürlich bekannt wie ein bunter Hund. Ein Professor begann seine Vorlesung entsprechend mit der Begrüßung "Guten Morgen, meine Herren! Guten Morgen, die Dame!" Ich hatte als Frau nie mit Benachteiligungen zu kämpfen. Im Gegenteil: Ich wurde besonders unterstützt.

Sie arbeiten mittlerweile im Forschungsprojekt Verisoft an der Verifikation von Software. Was genau machen Sie dort?

In unserem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt entwickeln wir Methoden für die formale Verifikation von komplexen Computersystemen, die Soft- und Hardware umfassen. Die Verifikation beschäftigt sich mit der Korrektheit von Software und Hardware, wie beispielsweise einer Airbagsteuerung oder einer Biometriesoftware (die zum Beispiel bei dem neuen Reisepass zum Einsatz kommt). Mit Hilfe mathematischer Methoden schließen wir ungewolltes Verhalten der Software aus und garantieren ihre Korrektheit.

Eine Airbagsoftware sollte beispielsweise die Eigenschaft erfüllen, dass sie ab einer bestimmten Aufprallgeschwindigkeit den Airbag auslöst, so dass einerseits im Ernstfall der Airbag aufgeht, andererseits bei kleineren Unfällen (zum Beispiel beim Einparken) der Airbag nicht zum Einsatz kommt.

Innerhalb meines Gebietes sorge ich zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen sowie einigen wissenschaftlichen Hilfskräften für die Erfüllung der Projektziele. Dies beinhaltet das Erarbeiten von Lösungsansätzen für die gegebenen Probleme, die Erstellung von Konzepten für die benötigte Software und letztlich auch die Implementierung. Weiterhin pflege ich Kontakte zu industriellen Partnern und betreue Studierende bei ihren Studien- und Diplomarbeiten. In regelmäßigen Abständen finden Projekttreffen statt, auf denen ich unsere Ergebnisse in Form von Postern, Vorführungen und Vorträgen vorstelle.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen sehen Sie für Ihr Tätigkeitsfeld in der Zukunft?

Informatik ist allgegenwärtig: In jeder Waschmaschine, in jedem Handy, in jedem Auto befinden sich Rechner und die entsprechende Software. Auch das Internet bietet immer noch tolle Entwicklungsmöglichkeiten. Die Verifikation wird mit Sicherheit eine immer wichtigere Rolle spielen, da sie auch hochaktuelle Themen wie den Datenschutz betrifft. Aus meiner Perspektive sind die Zukunftsaussichten in der Informatik also sehr gut.

Was braucht eine Informatikerin, um im Beruf voran zu kommen?

Eine gute Portion Neugier auf Neues (auch als Forschungsgeist bekannt), Interesse an Mathematik und logischem Denken und keine Angst vor Männern, denn diese sind allgegenwärtig. Ehrgeiz und Frechheit an den richtigen Stellen hat mir auch schon oft weitergeholfen.

Welchen Rat würden Sie einer interessierten Schülerin mit auf den Weg geben?

Die allseits verbreitete Ansicht, dass Männer in technischen Studiengängen besser abschneiden ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Von den fünf Anfängerinnen aus meinem Semester haben vier ihr Diplom gemacht und eine ist kurz davor. Von den 95 Männern dagegen haben viele das Studium abgebrochen. Auch die Ansicht, dass im Informatikstudium nur programmiert wird, stimmt nicht. Informatik ist viel mehr als das! Sie beinhaltet beispielsweise zu einem großen Teil Mathematik und Elektrotechnik. Aus diesem Grund sind auch die "Hacker" meist nicht die erfolgreichsten Informatikstudenten.
Also: Wenn dich die Informatik interessiert, sei mutig und lass dich von solchen Klischees nicht abschrecken!

Ihr erstes Kind ist Ende 2005 zur Welt gekommen - können Sie Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren?

Ja, bisher klappt alles super! Momentan bin ich in Elternzeit. Ich habe aber vor, im Oktober oder November 2006 wieder in den Beruf einzusteigen. Wir haben unseren Sohn bereits in einer Kindertagesstätte in der Nähe angemeldet. Mein Arbeitgeber unterstützt es sehr, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen, und mein Beruf eignet sich auch wunderbar für das Arbeiten von zu Hause aus. Eine Rechner und eine Internetverbindeung ist alles, was ich dazu brauche.

Auf der Website des Projekts Verisoft ( www.verisoft.de) findest du weiterführende Informationen zur Verifikation.

 

Hannah Schmidt-Glenewinkel (Fachgebiet Bioinformatik)

Foto von Hannah Schmidt Glenewinkel

Doktorandin im Bereich Theoretische Bioinformatik am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg

An Mathematik und Biologie war Hannah Schmidt-Glenewinkel, 25, schon immer interessiert - da lag ein Studium der Biomathematik nahe. Von Informatik hatte sie hingegen gar keine Ahnung und machte erst im Rahmen eines Austauschjahres an einer amerikanischen Universität ihre ersten Programmiererfahrungen. Sie erkannte, dass sie damit ein Instrument gefunden hatte, um Ihre mathematischen Kenntnisse gezielt in den Biowissenschaften und der Medizin anwenden zu können. Heute ist Hannah Doktorandin im Bereich Theoretische Bioinformatik am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg

Hannah, wie sind Sie das erste Mal in Kontakt mit Informatik gekommen?

Mit Informatik hatte ich zum ersten Mal Kontakt als ich während eines Austauschjahres an einer amerikanischen Uni einen Programmierkurs gemacht habe. Das hat total Spaß gemacht und mir die Berührungsängste beim PC genommen.

Sie sind Doktorandin am Deutschen Krebsforschungszentrum. Was genau machen Sie dort?

Ich untersuche, auf welche Arten Signale innerhalb von Zellen weitergegeben werden. Zum Beispiel Wachstumssignale: Viele Zellen besitzen Rezeptoren in ihrer Außenmembran - und wenn dann im Blut ein Wachstumshormon vorbeischwimmt, bindet das an den Rezeptor. Jetzt weiß die Zelle, dass das Gehirn ihr befohlen hat zu wachsen, und sie schmeißt daraufhin ein anderes Genaktivierungsprogramm an als vorher. Wir fragen uns zum Beispiel: Wie hat die Natur es geschafft, dass diese Signalweiterleitung so zuverlässig funktioniert? Fast egal welche Temperatur herrscht, egal ob die Proteinkonzentrationen schwanken - die Zelle scheint (solange sie gesund ist) immer genau das Richtige zu tun. Zum Beispiel bei einer Verletzung: Die neu gebildete Haut hört genau dann auf zu wachsen, wenn die Wunde wieder geschlossen ist. Welche molekularen Mechanismen diesem perfekten Zusammenspiel zugrunde liegen, ist das Thema meiner Arbeit.

Um dies zu untersuchen, überlege ich zuerst theoretisch, wie ein solches Signalübertragungsnetzwerk aussehen könnte. Da geht man meistens ganz naiv vor: Molekül A bindet an Molekül B und bildet den Komplex AB. Dieser reagiert dann mit ... . Das erhaltene Netzwerk stelle ich dann mit Hilfe von Differentialgleichungen dar und schreibe es in ein Computerprogramm um, um das Verhalten dieses Netzwerks zu simulieren. Diese Ergebnisse kann ich dann mit experimentellen Daten vergleichen und somit kommen wir den wahren molekularen Hintergründen immer näher.

Und das ist für die Krebsforschung von Nutzen.

Genau. Denn bei vielen Krebsarten ist überhaupt nicht klar, was genau in den Zellen falsch läuft. Um dahinter zu kommen, versuchen Leute wie ich, die molekularen Mechanismen von Zellen aufzuklären. Aus den Ergebnissen dieser grundlegenden Arbeiten können dann neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnostik und Therapie entwickelt werden.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich komme morgens gegen 10 Uhr zur Arbeit. Dann lese ich meistens erst mal die neuesten Veröffentlichungen auf meinem Arbeitsgebiet. Je nachdem in welcher Forschungsphase ich mich gerade befinde, muss ich entweder programmieren, Ergebnisse auswerten, eine Präsentation vorbereiten, schreiben oder einfach nur nachdenken.

Hat es Vorteile als Informatikerin zu arbeiten?

Ja, denn man kann in verschiedenen Gebieten arbeiten. Informatikerinnen sind ja sehr vielseitig einsetzbar. In den Naturwissenschaften sowieso, aber auch in der Industrie und bei Banken. Computer sind aus dem Arbeitsleben nicht wegzudenken und Leute die damit umgehen können, sind gerne gesehen.

Und es ist eine ziemlich internationale Angelegenheit, man ist nicht an Deutschland gebunden, sondern kann immer, wenn man will, eine Zeit lang woanders hingehen. Wenn man geschickt verhandelt, kann man zudem recht viel Geld verdienen.

Gibt es auch Nachteile?

Als Frau muss man sich in einer männerorientierten Welt durchboxen. Da muss man manchmal ein dickes Fell haben. Das Beste ist, sich mit Kolleginnen anzufreunden und sich in Netzwerken zu organisieren.

Was ist in Ihrem Beruf besonders wichtig?

Man muss sich viel weiterbilden. Es werden zum Beispiel immer neue Programmiersprachen und Technologien entwickelt - da muss man Schritt halten. Da das aber allen anderen auch so geht, ist das schon okay. Außerdem macht es Spaß.

Man muss ziemlich diszipliniert und präzise arbeiten, zur Not auch mal über's Wochenende oder bis spät abends. Das ist aber nicht die Regel und es bleibt auf jeden Fall genug Zeit für Hobbys und Freizeit. Manchmal läuft ein Programm nicht oder man kriegt nicht die entscheidende Idee, wie man das Problem programmieren muss. Aber wenn man es dann gelöst hat, ist das ein tolles Gefühl.

Was würden Sie einer Schülerin sagen, die überlegt, Informatik zu studieren?

Bloß keine Berührungsängste. Als ich an die Uni kam, hatte ich gar keine Ahnung von Computern. Es gibt aber im Internet tolle Einstiegstutorials für Leute, die noch gar nicht programmieren können.

Je mehr du im Informatikbereich arbeitest, desto mehr verlierst du den Respekt vor Computern im Sinne von Zaubermaschinen, denen du mehr oder weniger ausgeliefert bist.

Computer sind einfach sehr leistungsstarke Hilfsmittel - und wenn du sie zu beherrschen weißt, kannst du tolle Sachen damit machen.

Weitere Informationen über die Arbeit von Hannah Schmidt-Glenewinkel findest du unter http://www.dkfz.de/tbi/people/homepages/schmidt-glenewinkel/ . Suchst du allgemeine Informationen zur Bioinformatik wirst du z.B. unter www.bioinformatik.de fündig.

 

Dr. Martina Schollmeyer (Fachgebiet IT, Automobilbranche)

IT-Führungskraft bei der BMW AG

Das Interesse für Informatik wurde bei Martina Schollmeyer durch Zufall geweckt: Als sie in den Schulferien einen Ferienjob in einem Rechenzentrum annahm, war sie so fasziniert von der Arbeit dort, dass sie versuchte, möglichst viel über Computer zu lernen. Sie entschloss sich daraufhin, Technische Informatik an der FHT Esslingen zu studieren. Mit einem Stipendium ging sie nach dem Studium in die USA, wo sie sieben Jahre lang blieb. Während dieser Zeit promovierte sie und war als Professorin tätig. Seit 1999 ist Martina Schollmeyer als Führungskraft in der Informationstechnik (IT) bei der BMW AG tätig.

Motto: Sag was du meinst und du bekommst was du willst!

Frau Schollmeyer, wie und wo haben Sie Ihr Interesse für Informatik entdeckt?

Durch Zufall während eines Ferienjobs als Schülerin: Ich arbeitete in einem Rechenzentrum, das von der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt und von einem Bauunternehmen genutzt wurde. Die Leute dort erkannten mein Interesse und hatten Spaß daran, mir ihre Arbeit zu zeigen. Außerdem habe ich dort gelernt, wie Computer für Anwendungen aus dem "echten Leben" eingesetzt werden, nämlich konkret für die Berechnung von Brücken oder für die Entwürfe der Ariane-Rakete.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe mich nach der Schule entschlossen, Technische Informatik an der FHT Esslingen zu studieren. Als eine von zwei Frauen unter 60 Männern war das Studium eigentlich ganz angenehm, da ich immer Unterstützung von den männlichen Kommilitonen bei den schwierigen Laborübungen bekommen habe. Nach dem Studium bin ich 1988 mit einem Stipendium in die USA gegangen, wo ich 1994 in Computer Science promoviert habe und noch ein weiteres Jahr als Assistant Professor tätig war.

Mittlerweile sind Sie bei BMW in München tätig. Was genau ist dort Ihre Aufgabe?

Ich bin Führungskraft im IT-Bereich. In meiner aktuellen Arbeit bringe ich die Menschen, die für die IT zuständig sind, die im Auto mitfährt, mit den Menschen zusammen, die die IT-Systeme im Rechenzentrum entwickeln und betreuen.

Warum ist diese Arbeit wichtig?

Nun, es wird zukünftig mehr und mehr IT-Systeme geben, die sowohl Komponenten im Fahrzeug haben als auch Komponenten auf zentralen Systemen im Rechenzentrum. Beispielsweise im Bereich der Fahrzeugwartung: Wenn man in naher Zukunft mit einem Fahrzeug in eine Werkstatt fährt, wird sich das Fahrzeug drahtlos beim "Empfang" anmelden und die eigenen Daten, wie zum Beispiel Informationen aus den Fehlerspeichern, sowie die Kundendaten weitergeben können. Kunde oder Kundin kann dann sofort namentlich begrüßt werden und die Servicetechnikerin bzw. der Servicetechniker kann aus den Daten des Fahrzeugs bereits erkennen, wo das Problem liegt, und abschätzen, wie lange die Reparatur dauert. IT ist hier überall dort im Spiel, wo es um die Verwaltung der Daten im Fahrzeug geht, um das Hoch- und Herunterladen in das Netzwerk der Werkstatt und um das Abrufen der Kundinnendaten aus den zentralen IT-Systemen des Unternehmens. Ohne den Austausch und die Zusammenarbeit der Verantwortlichen für die unterschiedlichen IT-Bereiche würde es beim Datenaustausch immer wieder zu Problemen kommen.

Wie müssen wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Morgens lese ich als Erstes meine E-Mails und schaue in meinen Kalender für die anstehenden Meetings. Ungefähr zwei Drittel des Tages verbringe ich in Besprechungen und Arbeitsmeetings, bei denen es, wie schon erwähnt, insbesondere darum geht, ein gemeinsames Verständnis der IT im und auch außerhalb des Fahrzeugs zu bekommen. Meine Hauptaufgabe sind die Moderation dieser Treffen sowie das Herbeiführen von Entscheidungen und Abstimmungen. In meinem Job sind sowohl fachliche als auch außerfachliche Qualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit und Teamwork gefragt. Durch diese Mischung verschiedener Anforderungen macht mir meine Arbeit viel Spaß.

Was meinen Sie, was braucht eine Informatikerin, um im Beruf voranzukommen?

Natürlich braucht man viel fachliches Know-how, Engagement und ein bisschen Ehrgeiz. Die Informatik hilft uns auch durch ihre strukturierte Vorgehensweise, schwierige Themen (auch Nicht-IT-Themen) zu analysieren und Schwachpunkte aufzuzeigen. Damit ist das Spektrum der möglichen Tätigkeiten sehr breit.

Frauen sind aber häufig zu bescheiden und reden zu wenig über ihre Erfolge. Um im Beruf voranzukommen, muss man viel trommeln und ein breites Netzwerk haben. Männer tun das auch! Niemand wird auf uns zukommen und uns (be)fördern, wenn wir dies nicht selbst einfordern.

Viele Informatikerinnen und Ingenieurinnen haben sich in Vereinen und Verbänden zusammengeschlossen, um ihre Belange in der Öffentlichkeit und im Berufsleben stärker zu vertreten und ihre Berufe für Frauen attraktiver zu machen. Sie bieten u.a. Beratungen an und stehen als Mentorinnen zur Verfügung. Mehr dazu erfährst du unter www.gi-ev.de/fachbereiche/fa_81, www.vdi.de/fib, oder www.vde.com/VDE/Ausschuesse/Elektroingenieurinnen.

 

Prof. Dr. Ina Schieferdecker (Fachgebiet Softwaresicherheit)

Professorin an der Technischen Universität Berlin und Leiterin des Kompetenzzentrums für Modellierung und Testen am Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme (FOKUS)

Ina Schieferdecker studierte an der Humboldt Universität zu Berlin Mathematische Informatik. Nach ihrer Promotion an der Technischen Universität (TU) Berlin beschäftigte sie sich mit dem Aufspüren von Fehlern in Softwaresystemen. Seitdem entwickelt sie Testprogramme, mit denen sich insbesondere Kommunikationsnetze systematisch testen lassen. Für ihre herausragende Arbeit auf diesem Gebiet erhielt sie 2004 einen der höchsten Forschungspreise. Die 39-jährige Professorin ist verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 15 und 11 Jahren.

Motto: Alles, was möglich ist, probieren - es könnte interessant sein!

Frau Schieferdecker, als Professorin an der Technischen Universität Berlin und Leiterin des Kompetenzzentrums für Modellierung und Testen am Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme (FOKUS) haben Sie sich auf das Testen von Software spezialisiert. Haben Softwaresysteme tatsächlich so viele Fehler?

Ganz fehlerfrei ist eine Software tatsächlich nie. In tausend Zeilen Programmcode kommen zumeist mindestens ein bis zwei Fehler vor. Die heutigen komplexen Systeme bestehen aber aus mehreren Millionen Zeilen, so dass aus diesen ein bis zwei Fehlern schnell zehntausende werden. Softwarebasierte Systeme werden heute jedoch in allen Bereichen, auch sicherheitskritischen wie beispielsweise der Verkehrsindustrie, dem Bankensektor oder der automatisierten Fertigung, eingesetzt. Es ist darum extrem wichtig, die Anzahl der Fehler durch das Testen auf ein Minimum zu reduzieren und so die Qualität der Systeme sicherzustellen.

Wie gehen Sie beim Testen vor?

Anders als Softwareentwicklerin und Softwareentwicklerinnen, die beim Debuggen (mehr zum Debuggen findest du im Interview mit der Studentin Thea Raubinger) unterschiedliche, nicht systematisierte Verfahren anwenden, haben wir uns darauf spezialisiert, Standardverfahren zum Testen von Softwaresystemen zu entwickeln. Unser Ziel ist es, mit modellbasierten Methoden wie beispielsweise TTCN-3 die System- und Testentwicklung sowie die Analyse und Bewertung von Systemen zu ermöglichen, zu effektivieren und letztendlich auch zu automatisieren.

TTCN-3?

TTCN-3 steht für Testing and Test Control Notation. Mit dieser Testtechnologie ist es möglich, selbst hochkomplexe Kommunikationsnetze systematisch zu prüfen. Das Neue gegenüber anderen Testprogrammen ist, dass TTCN-3 für das Testen unterschiedlicher Datenübertragungssysteme geeignet ist. Internet-Provider, Netzwerkbetreiber und Mobilfunkanbieter - sie alle können mit TTCN-3 ihre Software überprüfen. Und zwar das gesamte System, nicht nur einzelne Programmteile.

Sie haben für ihre herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Softwareprüfung 2004 den Alfried Krupp-Förderpreis erhalten. Werden Sie das Preisgeld für die Weiterentwicklung Ihrer Testprogramme verwenden?

Ja. Wir möchten, dass TTCN-3 schon während der Softwareentwicklung eingesetzt werden kann, und arbeiten zudem daran, die Testabläufe zu automatisieren. Das heißt, dass nicht mehr von außen definiert werden muss, was getestet werden soll, sondern dass die Testabläufe automatisch aus den Systemvorgaben generiert werden. Das würde den Unternehmen jede Menge Zeit und natürlich auch Geld sparen. Das Preisgeld von 500.000 Euro ermöglicht es mir - ohne äußere Zwänge -, mit zwei Promovierenden in dieser Richtung weiterzuforschen. Das ist eine sehr große Chance, die wir hoffentlich richtig nutzen werden.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Sehr unterschiedlich: Als Professorin bereite ich Lehrveranstaltungen vor und führe diese durch. Zudem betreue ich Studierende bei ihren Diplomarbeiten und Promotionen. Meine Forschung führe ich sowohl an der TU Berlin als auch bei FOKUS durch. Dazu kommen viele Dienstreisen zu Konferenzen, Workshops, Sommerschulen und Projektpartnern. Aber insbesondere auch die Arbeit am Schreibtisch: Lesen anderer Arbeiten, Nachdenken und Erarbeiten offener Fragestellungen (der Anfang jeder Forschung), eigener Ideen und Lösungen.

Ihr erstes Kind haben Sie noch während des Studiums bekommen, das zweite kam zum Ende Ihrer Promotion zur Welt. Konnten Sie Familie und Karriere immer gut miteinander vereinbaren?

Ja, denn ich hatte immer einen großen Rückhalt durch meine Familie. Meine Eltern haben mich immer sehr unterstützt. Und auch heute ist meine Familie das Fundament meiner Arbeit. Mein Mann und meine Kinder bringen viel Verständnis auf und tolerieren so weit es geht meine vielen Dienstreisen.

Was ist für Sie die größte Herausforderung?

Ich sehe es als Herausforderung, nicht stehen zu bleiben und immer wieder neue Fragestellungen aufzugreifen und zu erarbeiten.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen sehen Sie für Ihr Tätigkeitsfeld in der Zukunft?

Das ist ziemlich einfach: Wissenschaft und Lehre wird immer notwendig sein - mein Spezialgebiet wird ebenso immer gebraucht werden. Die wesentlichen Entwicklungsmöglichkeiten sehe ich darin, die Informatik und die damit verbundene Forschung und Lehre weiter auszuarbeiten.

Was sollte eine gute Informatikerin an Voraussetzungen mitbringen?

Im Wesentlichen erst einmal all das, was man auch in anderen Berufen braucht: Interesse, Engagement und ein solides Verständnis der Konzepte und Prinzipien des Gebiets. Zudem benötigt man Verständnis und Freude an informationstechnischen Abläufen. Man kann sich technisch bei der Hardware, angewandt bei der Software oder aber konzeptionell in der Wissenschaft bis hin zur theoretischen Informatik aufstellen.

Welchen Rat würden Sie einer interessierten Schülerin mit auf den Weg geben?

Informatik ist ungleich größer als Computerspiele oder die Nutzeroberflächen im Internet, in Word und Excel. Es lohnt sich, hinter die Kulissen zu schauen: Wie funktioniert ein Computer? Wie gelangen Informationen aus New York nach Berlin? Wie können sich Autos "unterhalten" ?... Hier tun sich Welten auf.

 

Katharina Socher (Fachgebiet Medizininformatik)

Foto von Katharina Socher

Medizininformatikerin bei der Siemens AG im Bereich Medical Solutions

Motto: Die Informatik ist weiblich!

Mit und für Menschen arbeiten, das wollte Katharina Socher nach der Schulzeit und überlegte, Medizin zu studieren. Gleichzeitig war sie schon immer von Technik fasziniert und sah darin die Chance der Zukunft. Auf der Suche nach einem geeigneten Studium stieß sie an der Universität Leipzig auf die Studienrichtung Medizinische Informatik, die für sie die optimale Verknüpfung ihrer Interessen bot. Heute arbeitet die 25-Jährige als Medizininformatikerin bei der Siemens AG im Bereich Medical Solutions.

Katharina, Sie haben Medizininformatik an der Universität Leipzig studiert. Was hat Ihnen an Ihrem Studium besonders gefallen?

An meinem Studium hat mir gefallen, dass die Informatik durch anwendungsnahe Technologien der Medizintechnik ergänzt wird. Im Rahmen des Studiums konnte ich Einblicke in das Krankenhausmanagement und die IT-Abteilungen in Krankenhäusern gewinnen. Ich hatte somit stets einen konkreten Praxisbezug und erkannte, dass Informatik sehr vielseitig eingesetzt werden kann. Medizininformatik optimiert zum Beispiel Prozesse im Krankenhaus und erleichtert somit die Arbeit für das Krankenhauspersonal.

Wie war die Situation als eine der wenigen Frauen im Informatikstudium?

Ich hatte nie Probleme, mit vielen Männern zu studieren. Wir waren in unserem Semester acht Frauen von insgesamt 120 Studierenden. Wir Frauen haben alle das Studium abgeschlossen, während viele der Männer es vorher abgebrochen haben. Die Frauen waren auch die Ersten, die das Studium abschlossen. Ich habe es nie als nachteilig empfunden, eine Frau in der Informatik zu sein. Im Gegenteil: Wir wurden stets unterstützt und ich wurde mehrmals zur Fachschaftsratsprecherin gewählt.

Mittlerweile sind Sie bei der Siemens AG im Bereich Medical Solutions tätig. Welche Tätigkeitsfelder gibt es dort und was sind Ihre Aufgaben?

Siemens Medical Solutions bietet Lösungen an, die den gesamten Bereich einer Gesundheitsversorgung abdecken. Dazu gehören unter anderem innovative bildgebende Systeme für Diagnose und Therapie wie Röntgengeräte, Ultraschallgeräte, Computertomographie (CT) sowie IT-Lösungen - wie beispielsweise eine elektronische Patientenakte. Sie helfen, die Arbeitsabläufe in Kliniken und Praxen zu optimieren, das heißt, die Qualität der Versorgung zu steigern und gleichzeitig die Kosten zu senken.

Ich arbeite im Bereich Customer Services, in dem unter anderem neue Dienstleistungen für unsere Produkte entwickelt werden, und bin dort für die Koordination und Entwicklung der technischen Realisierung zuständig. Dazu muss ich im ersten Schritt die gesamten Anforderungen an die künftige Implementierung sammeln, festhalten und abstrahieren. Daraus entwickle ich die globale Umsetzungsstrategie. Das Lösungskonzept wird dann in den verschiedenen Datenbanken oder Produkten in der jeweiligen Programmiersprache umgesetzt. Zum Abschluss erfolgt die Testphase der Einzelkomponenten des Systems und des Gesamtsystems. Damit man eine solche Lösung entwickeln kann, braucht es neben dem technischen Wissen zu unseren Produkten, IT-Lösungen und Schnittstellen auch Abstraktionsvermögen und Teamgeist, denn es muss genau besprochen werden, was wie und durch wen umgesetzt werden soll. Bei Bedarf muss die Lösung dann weiterentwickelt oder verändert werden.

Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit am meisten?

IT im medizinischen Sektor ist ein unglaublich spannendes und zukunftsträchtiges Gebiet. Mich begeistert immer wieder, dass ich mit so vielen unterschiedlichen Leuten und Technologien zu tun habe. Mit Hilfe der Informatik können Arbeitsprozesse im Krankenhaus unterstützt und optimiert werden. Krankheiten können früher erkannt werden. Die Heilungschancen steigen stetig durch präzisere Medizintechnik und effizientere Arbeitsabläufe in Kliniken. Durchlaufzeiten im Krankenhaus werden verkürzt. IT schafft Erleichterungen für Patientinnen, Patienten und medizinisches Personal. Die Faszination der Medizininformatik liegt für mich in der Kombination all dieser Aspekte.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ich habe gerade das zweijährige Traineeprogramm von Siemens abgeschlossen, indem ich viel von Siemens Medical Solutions kennen gelernt habe. Nun habe ich meine erste feste Stelle als Inbound-Marketing-Managerin angetreten. Neben der Verantwortung für die technischen Realisierungskonzepte bin ich die Schnittstelle zwischen Marketing und Technik. Ich möchte komplexe, aber adaptierbare Lösungen entwickeln, die im Dialog mit dem Kunden (Krankenhauspersonal) entstehen. Außerdem würde ich gern zur stärkeren Integration sozialer Aspekte in der IT beitragen, denn für eine effiziente Nutzung von Software müssen die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer noch stärker als bisher in die Planung einbezogen werden. Um sinnvolle und unterstützende IT-Lösungen zu entwickeln, muss also konkret geschaut werden, welchen Druck die Nutzerinnen und Nutzer haben, wie viel Zeit sie aufbringen können, um sich in das System einzuarbeiten und wie ihre IT-Vorkenntnisse sind.

Bei Siemens Medical Solutions bietet sich auch immer wieder die Möglichkeit, eine Zeitlang im Ausland zu arbeiten. Ich war bereits für acht Monate in Spanien und bin mir sicher, dass das nicht mein letzter Auslandsaufenthalt gewesen sein wird.

Der Berufsverband Medizinischer Informatiker gibt unter www.bvmi.de viele interessante Tipps rund um das Thema.

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