Thea Raubinger (Studentin im Bereich International Business Information Technology)
Durch das Projekt Girls@D21 lernte Thea Raubinger zwei Wochen lang den Arbeitsalltag einer Informatikerin kennen und entschloss sich daraufhin, selbst Informatik zu studieren. Mit dem Studiengang International Business Information Technology an der Berufsakademie in Mannheim fand sie die ideale Kombination für sich: ein international ausgerichtetes Studium mit gleichzeitiger Praxisausbildung. Die 23-Jährige steht mittlerweile kurz vor ihrem Abschluss.
Thea, wie bist du darauf gekommen, Informatik zu studieren?
In der Schule mochte ich immer Kunst und Mathe. Kunst, weil man da so schön kreativ sein konnte und Mathe, weil man da so lange tüfteln konnte, bis es aufging. Als dann die ersten Schulpraktika kamen, wollte ich immer einen kreativen Beruf ausprobieren, also habe ich mich bei Werbeagenturen beworben. Ich habe insgesamt bei drei verschiedenen Firmen Praktika gemacht und jedes Mal war ich enttäuscht darüber, wie wenig die Designerinnen und Designer noch wirklich frei arbeiten konnten. Wenn es dem Auftraggeber nicht gefiel, kam teilweise die ganze Arbeit in den Müll.
Dann hatte ich in der 11. Klasse die Möglichkeit, im Rahmen des Projekts Girls@D21 an einem zweiwöchigen Praktikum bei der IBM in Böblingen teilzunehmen. Wir bekamen dort Mentorinnen zugeteilt: Frauen, die schon als Informatikerinnen tätig sind und die wir eine Woche lang durch ihren Alltag begleiten sollten. Meine Mentorin, Irene, war zu der Zeit, als ich bei ihr war, mit dem Debuggen eines Quellcodes beschäftigt. ´ Debuggen´ nennt man die Fehlersuche in einem Programmcode. Ein ´Bug´ ist eigentlich ein Käfer, in einem Programm ist dies aber ein Fehler, der dazu führt, dass das Programm vielleicht ausgeführt werden kann, aber an gewissen Stellen falsche Ergebnisse liefert oder sich selbst beendet. Das ist eine ganz schöne Fisselarbeit: Man kann es vielleicht damit vergleichen, einen Kommafehler in einem 500-seitigen Buch zu suchen. Dazu muss man das Buch lesen und den Zusammenhang verstehen.
Es wurden aber nicht nur solche ´Kommafehler´ gesucht, sondern auch neue Anwendungen eingebaut und verbessert. Der Kunde hatte das Programm schon bei sich im Betrieb eingeführt und dabei hatte sich herausgestellt, dass ein paar Dinge nicht ideal liefen, unlogisch waren oder benutzungsunfreundlich. Dazu gab es viele Meetings und Absprachen mit dem Kunden und den anderen Programmierenden. Die Teams, die an dem Programm arbeiteten, waren teilweise über den ganzen Erdball verteilt, und so hatten wir auch Videokonferenzen mit den USA oder Japan. In dieser Woche war ich eigentlich die wenigste Zeit vor dem Rechner - wir waren die ganze Zeit in Besprechungen, denn nur durch gute Teamarbeit und gute Kommunikation kann so ein Projekt reibungslos laufen. Das hat mich fasziniert. Das war das erste Mal, dass ich gesehen habe, dass Leute wirklich frei arbeiten konnten.
Du hast dich dann für das Studium International Business Information Technology an einer Berufsakademie (BA) entschieden. Was ist das Besondere an deinem Studium?
Erstmal besteht mein Studium zur einen Hälfte aus Praxis. Im gesamten Studium bin ich also sechsmal jeweils drei Monate im Betrieb zum Praktikum und kann viel von dem, was ich an der BA lerne, dort anwenden oder vertiefen. Dabei durchlaufen wir verschiedene Abteilungen und haben dort meist eigene Projekte. So war ich schon in mehreren Marketingabteilungen und im Information-Management.
Ich freue mich jedes Mal auf die Praxis. Mein Ausbildungsbetrieb ist klasse. Ich habe super nette Kolleginnen und Kollegen und es macht mir Spaß, dort zu arbeiten. In den meisten Abteilungen, in denen ich war, habe ich viel mit Programmen wie SAP gearbeitet oder Datenbanken aufgesetzt. Das Tolle dabei ist, zu sehen, wie man den Leuten in der Abteilung die Arbeit leichter machen kann, indem man eine Anwendung für sie gestaltet. Man klärt zuvor ab, was das Programm können und wie es funktionieren soll, wer es anwenden soll. Dann macht man Entwürfe und entwickelt Prototypen, die wieder mit den zukünftigen Anwenderinnen und Anwendern abgeklärt werden, bis hin zur endgültigen Version. Das hat sehr viel mit Teamarbeit, Einfühlungsvermögen und guter Kommunikation zu tun. Dabei sitzt man eigentlich die wenigste Zeit wirklich vor dem Rechner.
Zudem habe ich ja einen internationalen Studiengang gewählt. Das heißt, die Vorlesungen sind auf Englisch, und als weitere Fremdsprache haben wir Spanisch. Außerdem steht mindestens ein Auslandssemester als Pflicht auf dem Plan. Ich war vier Monate in Hong Kong zur Praxis eingesetzt und habe ein Semester in Spanien studiert. In beiden Ländern sind Frauen in der Informatik übrigens nichts Ungewöhnliches und in den Kursen war das Verhältnis von Frauen und Männern 50 zu 50.
Würdest du ein Auslandssemester generell empfehlen?
Auf jeden Fall! Ich denke, es ist immer gut, ein Auslandssemester einzubauen, auch wenn eventuell Studienzeit verloren geht. Die Erfahrungen, die man dabei sammelt, sind unersetzlich und können an keiner Uni gelehrt werden. Man muss sich mit einer anderen Kultur, einer anderen Sprache und einem anderen Unterrichtsaufbau auseinander setzen - das erweitert ganz schön das Blickfeld.
Was sagen deine Freundinnen/Freunde und deine Familie zu deiner Studienwahl?
Ich bin jetzt die, die um Rat gefragt wird, wenn der Rechner nicht mehr läuft oder jemand sich eine Digitalkamera kaufen will. Das ist ganz schön witzig. Zuvor hieß es immer "Ach, lass das mal deinen Bruder machen." Und jetzt kommt mein Bruder zu mir und fragt.
Meine Familie und meine Freunde stehen voll hinter mir und finden es klasse, dass ich so was mache, auch wenn die Wenigsten eine konkrete Vorstellung davon haben.
Viele junge Frauen denken, dass ein Studium der Informatik nur mit Vorkenntnissen in Programmiersprachen und Top-Noten in Mathematik zu bewältigen ist. Was sagst du dazu? Hattest du Vorkenntnisse zu Beginn deines Studiums?
Nein, ich hatte zwar schon immer eine Vorliebe für Mathematik, aber deshalb noch lange keine guten Noten. Mir hat es ganz einfach Spaß gemacht, Probleme zu lösen und das tut man in der Informatik zuhauf.
Und Vorkenntnisse hatte ich auch keine. Ich hatte zwar während des Abiturs ein Jahr lang Informatik als Wahlfach, aber da haben wir nur Turbo Pascal programmiert und als es zu Delphi gehen sollte, war der Kurs vorbei. Ich bin also mit so gut wie keiner Ahnung von Programmieren in das Studium rein gegangen und habe mir nur gedacht: Versuche es doch wenigstens, so schwer kann es ja nicht sein!
Was gefällt dir an deinem Studium besonders?
Mir gefällt besonders die Abwechslung an meinem Studium. Von der BA zum Betrieb, von Informatik zur Wirtschaft, von Deutsch zu Englisch, Französisch, Spanisch. Man muss von allem etwas verstehen. So wird es nie langweilig, und man hat immer was zu tun.
Wie ist die Situation als eine der wenigen Frauen im Informatikstudium?
An der BA ist die Frauenquote auch in technischen Berufen meist nicht ganz so mager wie an Uni oder FH. Wir sind z.B. vier Mädels und sechzehn Jungs. Das ist okay und so kommt wenigstens kein Zickenterror auf. Dafür geht es halt manchmal zu wie in der Umkleidekabine nach einem Fußballspiel. Ansonsten werden alle gleich behandelt. Wenn wir gemeinsam lernen, erklärt jeder jedem Mal was.
Welchen Rat würdest du einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt, Informatik zu studieren?
Informatik ist mittlerweile ein so breites Fachgebiet, in dem viele verschiedene Vertiefungsrichtungen angeboten werden. Überleg dir gut, ob du nicht von Anfang an eine bestimmte Richtung vertiefen willst - so kannst du es vermeiden, Fächer belegen zu müssen, die dich eigentlich gar nicht interessieren.
Hast du bereits konkrete Zukunftspläne? Wenn ja, wie sehen die aus?
Am 30. September 2006 endet mein Studium - danach würde ich gerne noch ein bisschen bei meinem Ausbildungsbetrieb bleiben. Aber man weiß ja nie, was das Leben einem so bringt.











