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Auszubildende, Studentinnen

Jennifer Graß, Eva Ciesla (Auszubildende im IT-Bereich)

Jennifer Gra??

Auszubildendende bei der Deutschen Telekom AG: Jennifer Graß (IT-System-Elektronikerin) und Eva Ciesla (Fachinformatikerin Fachrichtung Anwendungsentwicklung)

Foto von Eva Ciesla

Jennifer Graß, 20, und Eva Ciesla, 23, machen beide eine Ausbildung bei der Deutschen Telekom AG. Sie sind im zweiten Ausbildungsjahr: Jenny wird zur IT-System-Elektronikerin und Eva zur Fachinformatikerin Fachrichtung Anwendungsentwicklung ausgebildet. Vor ihrer jetzigen Ausbildung waren beide im kaufmännischen Bereich tätig.

Jennifers Motto: Frauen gehören hinter den Herd, aber um ihn anzuschließen!

Evas Motto: Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. (Mahatma Gandhi)

Ihr habt beide erst eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich gemacht, bevor ihr euch dazu entschlossen habt, noch eine Ausbildung im IT-Bereich zu machen. Wie kam es dazu?

Jenny: Eigentlich wollte ich in Richtung IT erst nicht gehen, da ich immer wieder hörte: "Das ist eine reine Männerwelt und Frauen haben dort keine Chance!" Deswegen fing ich eine Ausbildung bei einer Krankenkasse an, also quasi in einem Bürojob. Ein Jahr lang machte ich diese Ausbildung - das Ganze war jedoch überhaupt nicht meine Welt und deshalb bewarb ich mich um einen Ausbildungsplatz als IT-System-Elektronikerin - und wurde genommen.

Eva: Mein Wunsch ist es, als Software-Beraterin zu arbeiten. Nur kaufmännische Kenntnisse reichen dazu aber nicht. Und um auch das notwendige technische Fachwissen zu bekommen, habe ich mich nach der Ausbildung zur Bürokauffrau entschlossen, noch eine Ausbildung zur Fachinformatikerin dranzuhängen.

Was macht eigentlich eine IT-System-Elektronikerin beziehungsweise eine Fachinformatikerin Fachrichtung Anwendungsentwicklung?

Jenny: IT-System-Elektronikerinnen werden vor allem dann gerufen, wenn Probleme oder Störungen mit den Computer- und Kommunikationsanlagen auftreten. Da ist man dann an ganz verschiedenen Arbeitsorten tätig, also in Büros, Rechenzentren, Werkstätten oder bei den Nutzerinnen und Nutzern vor Ort, und hat zudem viel mit Menschen zu tun. Neben der Wartung kann eine IT-System-Elektronikerin noch im Bereich Planung, Vertrieb und Installation von Computer- und Kommunikationsanlagen tätig sein. Momentan fahre ich mit einem Service-Techniker zu Kundinnen und Kunden hinaus.

Eva: Eine Fachinformatikerin der Fachrichtung Anwendungsentwicklung entwickelt Softwarelösungen oder verändert vorhandene Programme, so dass sie den aktuellen Bedürfnissen des Betriebs entsprechen. Die Aufgaben sind sehr vielfältig: Erst müssen die Anforderungen an das Programm mit den Kundinnen und Kunden abgestimmt werden, dann erfolgen die Programmierung und verschiedene Testdurchläufe, bei denen geprüft wird, ob das Programm auch wirklich korrekt funktioniert. Klappt alles, kann das Programm an den Auftraggeber übergeben werden. Da es sich häufig um neue Softwarelösungen handelt, muss im Anschluss noch eine Schulung für die Nutzerinnen und Nutzer stattfinden. In der Ausbildung wird uns das alles nach und nach beigebracht.

Was gefällt euch an eurer Ausbildung besonders?

Jenny: Der technische Aspekt. Ich finde es einfach interessant, wie es zum Beispiel in einem PC oder einem Telefon aussieht, wie genau das Telefonieren funktioniert und was eigentlich das Internet ist. Außerdem ändert sich alles in dieser Branche so schnell, dass es nie langweilig wird, weil man immer wieder etwas Neues entdecken kann.

Eva: Mir gefällt an meiner Ausbildung, dass ich technisch versierter bin als viele andere, die sich nicht täglich mit Informationstechnologie beschäftigen.

Was sagen eure Eltern, Freundinnen und Freunde zu eurer Ausbildungswahl?

Jenny: Meine Familie war nicht so begeistert, denn ich musste für meine jetzige Ausbildung ja eine andere abbrechen. Ich bekam oft zu hören: "Überleg es dir gut, denn du kannst danach nicht mehr zurück!" Aber genau das wollte ich sowieso nicht. Mittlerweile freuen sich alle, dass ich nun genau das gefunden habe, was ich beruflich machen möchte.

Eva: Meine Eltern waren von meiner Entscheidung, in die IT-Branche zu wechseln, nicht begeistert - und sie sind es bis heute nicht. Sie hätten es lieber gesehen, wenn ich mit meinen fünf Fremdsprachen zum Beispiel Anglistik studiert hätte und anschließend Dolmetscherin geworden wäre. Trotzdem mussten sie in der letzten Zeit eingestehen, dass sie stolz auf mich sind, dass ich meinen Weg gehe, auch wenn es nicht der Weg ist, den sie gern für mich gesehen hätten.

Findet ihr es problematisch, eine der wenigen Frauen in eurer Ausbildung zu sein?

Jenny: Erst dachte ich wirklich, dass es schwierig wird, sich als Frau durchzusetzen. Aber dem ist nicht so. Es macht Spaß und ich bereue keinen einzigen Tag meiner Ausbildung. Ich denke sogar, dass Frauen manche Dinge besser können als Männer. Was nicht bedeuten soll, dass die Männer ihren Job nicht gut machen.

Eva: Wir sind in meinem Ausbildungsjahr drei Frauen und sieben Männer, also garnicht so wenige.

 

Sandra Lau (Studentin der Ingenieurinformatik)

Sandra Lau wurde das Interesse an Informatik quasi in die Wiege gelegt. Trotzdem hat sie lange nach der richtigen Studienrichtung gesucht, besuchte Tage der offenen Tür an einzelnen Universitäten und nahm am Schnupperstudium der Technischen Universität (TU) Dresden teil. An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg fand die 20-Jährige dann schließlich das, was sie suchte: ein Informatikstudium, das stark an die Ingenieurwissenschaften angelehnt ist. Sandra ist mittlerweile im dritten Semester.

Motto: Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden!

Sandra, wie bist du darauf gekommen, Informatik zu studieren?

In der Schule gab es Informatik als Wahlfach und da wurde mein Interesse geweckt. Zudem hatte ich die Möglichkeit, im Schülerrechenzentrum der TU Dresden an einem Programmierkurs (Turbo-Pascal) teilzunehmen, was ich sehr spannend fand.

Ich habe allerdings lange nach der richtigen Studienrichtung gesucht. Etwas mit Technik sollte es sein. Ich habe an der TU Dresden am Schnupperstudium teilgenommen und mich an sieben Universitäten beworben. Überall wurde ich angenommen. Viele der Informatikstudiengänge waren mir aber zu wirtschaftslastig. Deshalb kamen schließlich Rostock und Magdeburg in die engere Wahl. Für Magdeburg habe ich mich schließlich entschieden, weil es dort den neuen Studiengang Ingenieurinformatik gab, das einsemestrige Industriepraktikum als Bestandteil des Studiums und zudem ein Mentorenprogramm an der Fakultät für Informatik.

Wer hat dich bei deinem Interesse für Informatik besonders unterstützt?

Meine Eltern haben beide Informationstechnologie studiert. Schon meine Wiege stand quasi zwischen ihren Arbeitsplätzen zu Hause, später stand mein Schreibtisch daneben. So war ich schon früh mit dem Arbeitsmittel Computer vertraut.

Viele junge Frauen denken, dass ein Studium der Informatik nur mit Vorkenntnissen in Programmiersprachen und Top-Noten in Mathematik zu bewältigen ist. Was sagst du dazu?

Ich hatte Vorkenntnisse im Programmieren und sehr gute Noten im Mathe-Leistungskurs. Ich dachte, damit hätte ich wohl keine Probleme. Aber anfangs waren die Vorkenntnisse im Studium gar nicht anwendbar. Es wurden ganz andere Kenntnisse und Methoden gelehrt.

Wie sieht dein Studienalltag aus?

Im Semester besuche ich an fünf Tagen in der Woche die Vorlesungen und Übungen und mache anschließend die Hausaufgaben. Nebenbei habe ich die Möglichkeit, für eine Firma in Dresden zu arbeiten bzw. zu programmieren. Außerdem engagiere ich mich im Fachschaftsrat, das ist die Studierendenvertretung der Fakultät. Wir sind für Fragen und Sorgen der Mitstudierenden da. Zum Studienjahrbeginn organisiert der Fachschaftsrat ein Programm für die Studienanfängerinnen und Studienanfänger.

Was gefällt dir an deinem Studium besonders?

Die Teilnahme an unserem Mentoringprogramm war eine große Hilfe, um die Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. Erstsemester werden in diesem Programm von Studierenden höherer Semester desselben Studiengangs betreut, lernen Mitstudierende kennen und bilden Lerngruppen.

Gut gefällt mir an meinem Studiengang auch, dass man sowohl viel mit dem Rechner arbeiten kann, aber auch mal rauskommt. In meinem Anwendungsfach ,Produktionstechnik, kann man was zum Anfassen machen (zum Beispiel neue Produkte konstruieren, Gussteile fertigen) und man erlebt die praktische Anwendung der Informatik.

Hast du durch ein Praktikum oder ähnliches bereits Berufserfahrung sammeln können?

Zwischen Abitur und Studium habe ich drei Monate in einer Firma gearbeitet. Durch meine Mitwirkung bei einem Projekt zur Digitalisierung und Aufbereitung der internen Dokumente habe ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen gelernt und die Scheu verloren, auf Menschen zuzugehen.

Wie ist die Situation als eine der wenigen Frauen im Informatikstudium?

Ich persönlich empfinde es als Vorteil. Es gibt einen guten Zusammenhalt mit den männlichen Kommilitonen. Manchmal wird man komisch angeguckt und begegnet Vorurteilen, aber ich habe schon früher im Programmierkurs gelernt, damit umzugehen.

Welchen Rat würdest du einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt, Informatik zu studieren?

Du solltest dich auf keinen Fall von Vorurteilen und Sprüchen anderer abschrecken lassen, sondern dir selbst ein Bild machen, zum Beispiel am Tag der offenen Tür oder beim Schnupperstudientag.

Mein Tipp wäre auch, sich auf jeden Fall in einer außerschulischen Arbeitsgemeinschaft auszuprobieren, um die eigenen Stärken besser kennen zu lernen. Hab keine Scheu, mal ein Programm zu schreiben. Software findest du im Internet oder frag deine Informatiklehrerin oder deinen Informatiklehrer.

Das Studium ist ein full-time Job, aber trotzdem eine tolle Zeit. Du kannst selbst entscheiden, was und wieviel du machst.

Du brauchst gar keine Angst davor zu haben, in einer fremden Stadt neu anzufangen. Man findet ganz schnell einen neuen Freundeskreis. Das ist sogar noch einfacher, wenn man alleine in eine neue Stadt kommt, denn dann ist man offen für neue Kontakte und findet diese auch schnell.

 

Thea Raubinger (Studentin im Bereich International Business Information Technology)

Foto von Thea Raubinger

Durch das Projekt Girls@D21 lernte Thea Raubinger zwei Wochen lang den Arbeitsalltag einer Informatikerin kennen und entschloss sich daraufhin, selbst Informatik zu studieren. Mit dem Studiengang International Business Information Technology an der Berufsakademie in Mannheim fand sie die ideale Kombination für sich: ein international ausgerichtetes Studium mit gleichzeitiger Praxisausbildung. Die 23-Jährige steht mittlerweile kurz vor ihrem Abschluss.

Thea, wie bist du darauf gekommen, Informatik zu studieren?

In der Schule mochte ich immer Kunst und Mathe. Kunst, weil man da so schön kreativ sein konnte und Mathe, weil man da so lange tüfteln konnte, bis es aufging. Als dann die ersten Schulpraktika kamen, wollte ich immer einen kreativen Beruf ausprobieren, also habe ich mich bei Werbeagenturen beworben. Ich habe insgesamt bei drei verschiedenen Firmen Praktika gemacht und jedes Mal war ich enttäuscht darüber, wie wenig die Designerinnen und Designer noch wirklich frei arbeiten konnten. Wenn es dem Auftraggeber nicht gefiel, kam teilweise die ganze Arbeit in den Müll.

Dann hatte ich in der 11. Klasse die Möglichkeit, im Rahmen des Projekts Girls@D21 an einem zweiwöchigen Praktikum bei der IBM in Böblingen teilzunehmen. Wir bekamen dort Mentorinnen zugeteilt: Frauen, die schon als Informatikerinnen tätig sind und die wir eine Woche lang durch ihren Alltag begleiten sollten. Meine Mentorin, Irene, war zu der Zeit, als ich bei ihr war, mit dem Debuggen eines Quellcodes beschäftigt. ´ Debuggen´ nennt man die Fehlersuche in einem Programmcode. Ein ´Bug´ ist eigentlich ein Käfer, in einem Programm ist dies aber ein Fehler, der dazu führt, dass das Programm vielleicht ausgeführt werden kann, aber an gewissen Stellen falsche Ergebnisse liefert oder sich selbst beendet. Das ist eine ganz schöne Fisselarbeit: Man kann es vielleicht damit vergleichen, einen Kommafehler in einem 500-seitigen Buch zu suchen. Dazu muss man das Buch lesen und den Zusammenhang verstehen.

Es wurden aber nicht nur solche ´Kommafehler´ gesucht, sondern auch neue Anwendungen eingebaut und verbessert. Der Kunde hatte das Programm schon bei sich im Betrieb eingeführt und dabei hatte sich herausgestellt, dass ein paar Dinge nicht ideal liefen, unlogisch waren oder benutzungsunfreundlich. Dazu gab es viele Meetings und Absprachen mit dem Kunden und den anderen Programmierenden. Die Teams, die an dem Programm arbeiteten, waren teilweise über den ganzen Erdball verteilt, und so hatten wir auch Videokonferenzen mit den USA oder Japan. In dieser Woche war ich eigentlich die wenigste Zeit vor dem Rechner - wir waren die ganze Zeit in Besprechungen, denn nur durch gute Teamarbeit und gute Kommunikation kann so ein Projekt reibungslos laufen. Das hat mich fasziniert. Das war das erste Mal, dass ich gesehen habe, dass Leute wirklich frei arbeiten konnten.

Du hast dich dann für das Studium International Business Information Technology an einer Berufsakademie (BA) entschieden. Was ist das Besondere an deinem Studium?

Erstmal besteht mein Studium zur einen Hälfte aus Praxis. Im gesamten Studium bin ich also sechsmal jeweils drei Monate im Betrieb zum Praktikum und kann viel von dem, was ich an der BA lerne, dort anwenden oder vertiefen. Dabei durchlaufen wir verschiedene Abteilungen und haben dort meist eigene Projekte. So war ich schon in mehreren Marketingabteilungen und im Information-Management.

Ich freue mich jedes Mal auf die Praxis. Mein Ausbildungsbetrieb ist klasse. Ich habe super nette Kolleginnen und Kollegen und es macht mir Spaß, dort zu arbeiten. In den meisten Abteilungen, in denen ich war, habe ich viel mit Programmen wie SAP gearbeitet oder Datenbanken aufgesetzt. Das Tolle dabei ist, zu sehen, wie man den Leuten in der Abteilung die Arbeit leichter machen kann, indem man eine Anwendung für sie gestaltet. Man klärt zuvor ab, was das Programm können und wie es funktionieren soll, wer es anwenden soll. Dann macht man Entwürfe und entwickelt Prototypen, die wieder mit den zukünftigen Anwenderinnen und Anwendern abgeklärt werden, bis hin zur endgültigen Version. Das hat sehr viel mit Teamarbeit, Einfühlungsvermögen und guter Kommunikation zu tun. Dabei sitzt man eigentlich die wenigste Zeit wirklich vor dem Rechner.

Zudem habe ich ja einen internationalen Studiengang gewählt. Das heißt, die Vorlesungen sind auf Englisch, und als weitere Fremdsprache haben wir Spanisch. Außerdem steht mindestens ein Auslandssemester als Pflicht auf dem Plan. Ich war vier Monate in Hong Kong zur Praxis eingesetzt und habe ein Semester in Spanien studiert. In beiden Ländern sind Frauen in der Informatik übrigens nichts Ungewöhnliches und in den Kursen war das Verhältnis von Frauen und Männern 50 zu 50.

Würdest du ein Auslandssemester generell empfehlen?

Auf jeden Fall! Ich denke, es ist immer gut, ein Auslandssemester einzubauen, auch wenn eventuell Studienzeit verloren geht. Die Erfahrungen, die man dabei sammelt, sind unersetzlich und können an keiner Uni gelehrt werden. Man muss sich mit einer anderen Kultur, einer anderen Sprache und einem anderen Unterrichtsaufbau auseinander setzen - das erweitert ganz schön das Blickfeld.

Was sagen deine Freundinnen/Freunde und deine Familie zu deiner Studienwahl?

Ich bin jetzt die, die um Rat gefragt wird, wenn der Rechner nicht mehr läuft oder jemand sich eine Digitalkamera kaufen will. Das ist ganz schön witzig. Zuvor hieß es immer "Ach, lass das mal deinen Bruder machen." Und jetzt kommt mein Bruder zu mir und fragt.

Meine Familie und meine Freunde stehen voll hinter mir und finden es klasse, dass ich so was mache, auch wenn die Wenigsten eine konkrete Vorstellung davon haben.

Viele junge Frauen denken, dass ein Studium der Informatik nur mit Vorkenntnissen in Programmiersprachen und Top-Noten in Mathematik zu bewältigen ist. Was sagst du dazu? Hattest du Vorkenntnisse zu Beginn deines Studiums?

Nein, ich hatte zwar schon immer eine Vorliebe für Mathematik, aber deshalb noch lange keine guten Noten. Mir hat es ganz einfach Spaß gemacht, Probleme zu lösen und das tut man in der Informatik zuhauf.

Und Vorkenntnisse hatte ich auch keine. Ich hatte zwar während des Abiturs ein Jahr lang Informatik als Wahlfach, aber da haben wir nur Turbo Pascal programmiert und als es zu Delphi gehen sollte, war der Kurs vorbei. Ich bin also mit so gut wie keiner Ahnung von Programmieren in das Studium rein gegangen und habe mir nur gedacht: Versuche es doch wenigstens, so schwer kann es ja nicht sein!

Was gefällt dir an deinem Studium besonders?

Mir gefällt besonders die Abwechslung an meinem Studium. Von der BA zum Betrieb, von Informatik zur Wirtschaft, von Deutsch zu Englisch, Französisch, Spanisch. Man muss von allem etwas verstehen. So wird es nie langweilig, und man hat immer was zu tun.

Wie ist die Situation als eine der wenigen Frauen im Informatikstudium?

An der BA ist die Frauenquote auch in technischen Berufen meist nicht ganz so mager wie an Uni oder FH. Wir sind z.B. vier Mädels und sechzehn Jungs. Das ist okay und so kommt wenigstens kein Zickenterror auf. Dafür geht es halt manchmal zu wie in der Umkleidekabine nach einem Fußballspiel. Ansonsten werden alle gleich behandelt. Wenn wir gemeinsam lernen, erklärt jeder jedem Mal was.

Welchen Rat würdest du einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt, Informatik zu studieren?

Informatik ist mittlerweile ein so breites Fachgebiet, in dem viele verschiedene Vertiefungsrichtungen angeboten werden. Überleg dir gut, ob du nicht von Anfang an eine bestimmte Richtung vertiefen willst - so kannst du es vermeiden, Fächer belegen zu müssen, die dich eigentlich gar nicht interessieren.

Hast du bereits konkrete Zukunftspläne? Wenn ja, wie sehen die aus?

Am 30. September 2006 endet mein Studium - danach würde ich gerne noch ein bisschen bei meinem Ausbildungsbetrieb bleiben. Aber man weiß ja nie, was das Leben einem so bringt.

 

Kristina Scherbaum (Studentin der Informatik, Schwerpunkt Computergrafik)

Foto von Kristina Scherbaum

In ihrem Beruf als Mediengestalterin hatte Kristina Scherbaum, 27, immer gerne gearbeitet und zur Vertiefung an ihre Ausbildung noch ein Studium der Audiovisuellen Medien angeschlossen. Doch dann wollte sie irgendwann wissen, welche Technik hinter den Programmen steckt, mit denen sie tagtäglich arbeitete. Nach einem Praxissemester am Max-Planck-Institut für Informatik entschloss sie sich deshalb, das Master-Studium Informatik mit dem Schwerpunkt Computergrafik an der Universität des Saarlandes zu absolvieren.

Kristina, warum hast du dich für ein Informatikstudium entschieden?

In der Schulzeit hatte ich zwar schon Interesse an Technik und Mathematik, gleichzeitig aber auch ein sehr großes Interesse an gestalterisch-kreativen Aufgaben. Deswegen machte ich eine Ausbildung zur Mediengestalterin, und im Anschluss studierte ich an der Fachhochschule Stuttgart Audiovisuelle Medien. Durch die Arbeit mit 3D-Programmen wurde mein Interesse für die zugrunde liegende Technik geweckt. Also machte ich mein Praxissemester am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken in der Arbeitsgruppe Computergrafik. Ich war völlig beeindruckt von den Möglichkeiten, die die Computergrafik bietet und entschloss mich deshalb, Informatik mit diesem Schwerpunkt zu studieren. Meinen Fachhochschulabschluss in Audiovisuelle Medien hatte ich zu dieser Zeit bereits, so dass ich direkt ins Master-Studium einsteigen konnte.

Als Computergrafik wird die Analyse und Synthese von dreidimensionalen und zweidimensionalen Daten und deren Umsetzung in Bilder bezeichnet. Wo liegt da dein Schwerpunkt?

Während meiner Arbeit am Max-Planck-Institut und meiner FH-Diplomarbeit dort habe ich in Zusammenarbeit mit meinem Betreuer ein Alterungs-Prognose-System entwickelt. Aus einzelnen Bildern können wir eine lernbasierte Vorhersage der Gesichtsalterung machen - also zum Beispiel von einem Babyfoto eines vermissten Kindes eine Vorhersage anstellen, wie das Kind in 20 Jahren aussieht. Natürlich sind Eigenschaften wie zum Beispiel das Körpergewicht nicht vorhersagbar - aber auf Basis der bestehenden Physiognomie lassen sich eine Schätzung der Gesichtsform berechnen und verschiedene Körpergewichtswerte simulieren.

Viele junge Frauen denken, dass ein Studium der Informatik nur mit Vorkenntnissen in Programmiersprachen und Top-Noten in Mathematik zu bewältigen ist. Was sagst du dazu?

Mein persönlicher Eindruck ist, dass ein Interesse an Mathematik und Technik definitiv vonnöten ist. Das Informatikstudium besteht zu großen Teilen aus Mathematik - häufig allerdings angewandter Mathematik. Vorkenntnisse sind von großem Vorteil, ebenso wie der Spaß am Knobeln. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass Programmierkenntnisse notwendig sind. Die Grundlagen hierzu werden im Grundstudium detailliert vermittelt und geübt. Ich persönlich hatte gute Grundlagen in Mathematik, aber nahezu keine Vorkenntnisse in Programmiersprachen und Informatik.

Wie sieht dein Studienalltag aus?

Im Master-Studiengang kann ich zwischen theoretischen und praktischen Vertiefungsfächern wählen. Die Grundlagen der höheren Mathematik werden hier vorausgesetzt. Meistens wähle ich eine Kombination aus Stammvorlesungen, Vertiefungsvorlesungen und Seminaren. Stammvorlesungen geben einen fundierten Einblick und auch Überblick über bestimmte Fachgebiete. Durch häufige Übungen in Gruppenarbeit lernt man fundamentale Techniken anzuwenden. Vertiefungsvorlesungen setzen meistens ein Vorwissen in einem Fachgebiet voraus und bauen darauf auf - oft auch mit praktischen Programmierübungen. Eine gute Ergänzung dazu bieten Seminare. Dort lernt man, sich mit einem speziellen Themengebiet zu befassen und darüber zu referieren oder zu schreiben - in der Regel auf Englisch. Was ich persönlich als besonders eindrucksvoll empfinde, ist, dass ich keine einzige Vorlesung in deutscher Sprache mehr höre. Alle Vorlesungen, Übungen und meistens auch Klausuren werden in englischer Sprache absolviert. Das ist ein hervorragendes Training für den späteren Berufsweg.

Wie ist die Situation als eine der wenigen Frauen im Informatikstudium?

Sehr positiv. Ich kann über keine negativen Erfahrungen berichten. Übrigens wächst der Frauenanteil stetig - in den Vorlesungen, die ich besuche, sitzen zu ca. 25 Prozent Frauen.

Stört es dich, dass Berufe im Bereich Informatik/IT immer noch als so genannte ´Männerberufe´ gelten?

Nein, eigentlich gar nicht. Und eigentlich ist mir auch nicht klar, warum der Frauenanteil so gering ist - ich wüsste zumindest keinen Grund.

Weitere Informationen zur Arbeit von Kristina Scherbaum gibt es unter www.mpi-inf.mpg.de/~scherbaum.

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