Internetnutzung von Migrantinnen und Migranten
Als erste bundesweit repräsentative Studie werden in der ARD/ZDF Studie "Migranten und Medien 2007" Ergebnisse zur Nutzung der elektronischen Medien von Migrantinnen und Migranten in Deutschland präsentiert. In ihrem Mediennutzungsverhalten sind Menschen mit Migrationshintergrund keine homogene Gruppe, so dass eine ethnisch differenzierte Betrachtung notwendig ist.
Das Internet wird von Migrantinnen und Migranten in ähnlichem Umfang wie von der einheimischen deutschen Bevölkerung genutzt. Insbesondere für jüngere Migrantinnen und Migranten hat das Internet eine wichtige Informations- und Kommunikationsfunktion und stellt eine Brücke zum Herkunftsland dar.
Die Tagesreichweite (1) des Internets beträgt bei Migrantinnen und Migranten 22 Prozent, bei einheimischen Deutschen liegt sie bei 28 Prozent. Werden die Jüngeren in beiden Gruppen separat betrachtet, so liegt die Tagesreichweite des Internets deutlich höher: Bei den 14- bis 29-jährigen Migrantinnen und Migranten beträgt sie 38 Prozent, bei den einheimischen Deutschen der gleichen Altersgruppe liegt sie bei 46 Prozent.
Stamm- und Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer
Bei der Mediennutzung wird in der Studie nach Stamm- und Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzern unterschieden: Stammnutzerinnen und -nutzer sind diejenigen, die ein Medium an vier bis sieben Tagen die Woche nutzen, Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer tun dies an ein bis drei Tagen in der Woche.
59,3 Prozent der Migrantinnen und Migranten nutzen das Internet an ein bis drei Tagen die Woche, sind somit keine Stammnutzerinnen und -nutzer. 28,1 Prozent nutzen nur deutschsprachige Internet-Angebote, 10,6 Prozent nutzen deutsch- und heimatsprachige, 2,1 Prozent nutzen nur heimatsprachige Angebote.
Genutzte Themen und Dienste im Internet
Zu den meist genutzten Inhalten des Internets gehören Nachrichten zum aktuellen Weltgeschehen (22 Prozent), mit Abstand gefolgt von Sportberichten (12 Prozent), Musik, Wissenschaft, Forschung und Bildung sowie Recherche in Suchmaschinen und Webkatalogen, die zu je 11 Prozent genutzt werden.
Das Internet liegt hat als Informationsmedium bereits großen Stellenwert: Es wird noch von der Tageszeitung übertroffen, Funk und Fernsehen sind nach hinten gerückt. Der Aussage: Ich nutze das Internet, " ... weil ich mich informieren möchte" stimmen 69 Prozent voll und ganz zu, 21 Prozent geben an, trifft weitgehend zu und bei 10 Prozent trifft die Aussage weniger bzw. gar nicht zu. Die Aussage: Ich nutze das Internet " ... weil ich dabei entspannen kann" trifft bei 17 Prozent voll und ganz zu, bei 20 Prozent weitgehend und bei 68 Prozent trifft sie weniger bzw. gar nicht zu.
Internetnutzung und Geräteausstattung
Mit einem Digital-Empfang sind 53 Prozent der Migrantinnen und Migranten ausgestattet. 76 Prozent besitzen einen Computer. Die tägliche Surfdauer liegt bei 39 Minuten und die Tagesreichweite des Internets liegt bei 22 Prozent. Stammnutzerinnen und -nutzer, die deutschsprachige Internet-Angebote nutzen sind 39 Prozent, die heimatsprachige Angebote nutzen sind 13 Prozent. Bei den Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzern ist die Nutzung deutsch- und heimatsprachiger Internet-Angebote zu je 16 Prozent gleich verteilt.
Große Unterschiede ergeben sich bei der Geräteausstattung und Internet-Nutzung einzelner ethnischer Gruppen nur in Einzelfällen: Beim Besitz eines Digital-Empfangs sind die türkisch stämmigen Personen mit 73 Prozent gegenüber den Spätaussiedlerinnen und -aussiedlern mit 34 Prozent und den Polinnen und Polen mit 38 Prozent deutlich im Vorteil. Bei der Surfdauer in Minuten ist das Verhältnis ein wenig umgekehrt: Hier liegen die Spätaussiedlerinnen und -aussiedler sowie diejenigen polnischer Herkunft mit 47 und 46 Minuten vor den Türkinnen und Türken mit 32 und denjenigen italienischer Herkunft mit 33 Minuten vorn.
Wer wurde befragt?
Die Befragungsstichprobe der ARD/ZDF Studie umfasst 3.010 Personen ab 14 Jahren. Es wurden ca. 500 Personen aus 6 Migrationsgruppen befragt, die in absoluter Größenordnung folgenden Bevölkerungsanteil (in Tausend) haben:
- Türkinnen und Türken: 2.080
- Spätaussiedlerinnen und -aussiedler: 1.570
- Ex-Jugoslawinnen und Ex-Jugoslawen: 950
- Polinnen und Polen: 880
- Italienerinnen und Italiener: 700
-
Griechinnen und Griechen: 340
Gesamt: 6.520
Personen aus nichteuropäischen Ländern wurden nicht berücksichtigt. Die Definition der Menschen mit Migrationshintergrund orientiert sich an der Definition des Statistischen Bundesamts aus dem Mikrozensus 2005.
Fußnote (1): Addierte Zahl der Personen, die das Medium über einen bestimmten Zeitraum (mindestens 60 Sekunden (Teletest) bzw. eine Viertelstunde (Radiotest) nutzen. Quelle: mediaresearch.orf.at
PDF-Download der Studie: www.unternehmen.zdf.de



















