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9. Lernkonzepte

Didaktische und methodische Konzepte von realen und virtuellen Lernangeboten bedarfsgerecht weiterentwickeln und einsetzen.

These: Menschen mit Migrationshintergrund bilden eine vielfältige Bevölkerungsgruppe und unterscheiden sich stark nach demografischen und milieuspezifischen Merkmalen. Für die Entwicklung von Lernangeboten fehlen weitgehend didaktisch-methodische Ansätze, die über die Individualisierung des Lernprozesses hinaus die Besonderheiten der Lebensund Erfahrungswelt von Migrantinnen und Migranten angemessen berücksichtigen.

 

Begründung: Die Vermittlung des kompetenten Umgangs mit den Neuen Medien und mit dem Internet ist Teil einer umfassenden Technikbildung, die in den verschiedenen Lebensund Entwicklungsphasen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen grundlegende Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten der kompetenten und erfolgreichen Nutzung vermittelt. Didaktisch-methodische Konzepte einer technischen Grundbildung stecken auch heute noch in den Anfängen. Für Selbstlern- oder E-Learning-Angebote, in denen das Techniklernen gleichzeitig auch die Arbeitsmethode ist, fehlen sie oft ganz. Die Lernmotivation und der Lernerfolg lassen sich optimieren, indem reale oder virtuelle Lernumgebungen für Migrantinnen und Migranten gestaltet werden, die an der Alltagsund Erfahrungswelt ansetzen und die kulturellen Bedürfnisse berücksichtigen. Dazu bedarf es einer genaueren Analyse der Lernvoraussetzungen und der optimalen Lernbedingungen in verschiedenen Gruppen, der technischen und interkulturellen Weiterbildung sowie der didaktisch-methodischen Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Für besondere Gruppen von Migrantinnen und Migranten, wie Flüchtlinge, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus das offizielle Bildungsangebot nicht nutzen können, ist das Internet selbst ein „alternativer Bildungsweg“, sofern der Zugang zum Computer ermöglicht wird. Hier können passgenaue E-Learning- und Informationsangebote den Prozess der gesellschaftlichen Integration von Beginn an unterstützen oder auch als berufliche Qualifizierung hilfreich sein.

Besonderer Handlungsbedarf besteht in der didaktisch-methodischen Weiterentwicklung von realen und virtuellen Lernangeboten im Bereich des Spracherwerbs, von Computerund Internetkursen, zum Basiswissen über Deutschland für Zugewanderte sowie bei Zusatzqualifikationen zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Verschiedene Lernmodule und Trainingseinheiten sind bereitzustellen und zum Zwecke der Nachhaltigkeit regelmäßig weiterzuentwickeln. Ein Methodenbaukasten für die jeweilige Zielgruppe kann geeignete Instrumente anbieten und den erfolgreichen Einsatz unterstützen.

Gute Beispiele:

Für Flüchtlinge sind aufgrund der rechtlichen Bedingungen alternative Bildungswege zentrale Voraussetzung, um Bildungschancen wahrzunehmen. Daher bietet die Initiative Refugees Emancipation e. V. in dem Projekt Kujiendeleza – Empowerment in Flüchtlingsheimen in Berlin-Brandenburg selbst organisierte Kurse an, um Flüchtlingen Wege aufzuzeigen, wie sie das Internet als Kommunikations- und als Bildungsmedium nutzen können. www.refugeesemancipation.com
In dem abgeschlossenen Modellprojekt Senioren: Medien – Migration – Integration – Partizipation vom Bennohaus Münster wurde das Ziel verfolgt, die Medienkompetenz und interkulturelle Kompetenz von älteren Migrantinnen und Migranten zu fördern. Außerdem sollten mit diesem Projekt Voraussetzungen für einen interkulturellen Dialog geschaffen werden. www.bennohaus.org
Das FrauenComputerZentrumBerlin e. V. bietet für Migrantinnen ein IT-Selbstlernzentrum mit dem Ziel, die alltags- und beschäftigungsrelevanten Handlungskompetenzen von Migrantinnen zu fördern. Das Projekt umfasst eine 16- bis 19-wöchige modulare IT-Fortbildung mit einer Lerngruppe und individuellen Lernanteilen. Die Kompetenzen können je nach Bedarf in den Bereichen Medienkompetenz, Schlüsselkompetenz, Sprachkompetenz und Bewerbungskompetenz ausgebaut werden. www.fczb.de

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