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12. Mehrsprachigkeit

Die Internetseiten des Bundes, der Länder und Kommunen in mehreren Sprachen anbieten.

These: Das Onlineangebot öffentlicher Stellen von Bund, Ländern und Kommunen ist für Migrantinnen und Migranten in Deutschland nicht ausreichend. Es fehlen Angebote in mehreren Sprachen. Mehrsprachigkeit sollte vermehrt in der deutschen Gesellschaft als Potenzial genutzt werden.

 

Begründung: Migrantinnen und Migranten benötigen Informationen von öffentlichen Stellen im Zuwanderungsprozess zur Alltagsbewältigung und Lebensgestaltung in Deutschland. Fehlende Information erschwert die Eingewöhnung in die Aufnahmegesellschaft. Neubürgerinnen und Neubürger verfügen anfangs häufig nicht über ausreichende Deutschkenntnisse, um die nötigen Informationen in deutscher Sprache zu verstehen. Durch entsprechende mehrsprachige Onlineangebote könnten einerseits offizielle Beratungsstellen entlastet werden und somit würde mehr Zeit für intensivere Beratungsgespräche bleiben. Andererseits werden durch entsprechende Onlineangebote Migrantinnen und Migranten in die Lage versetzt, sich selbstständig die von ihnen benötigten individuellen Informationen zu beschaffen.

Relevante Informationen für Migrantinnen und Migranten müssen einerseits in klarem, verständlichem Deutsch aufbereitet und online zur Verfügung gestellt werden. Andererseits sollten Webangebote des Bundes entsprechend den in Deutschland lebenden Migrantengruppen mindestens in den großen Einwanderersprachen Russisch und Türkisch verfügbar sein. Auf Landesebene und kommunaler Ebene sollten die Einwanderersprachen von den dort lebenden Migrantinnen und Migranten berücksichtigt werden. Ein englisches Sprachangebot kann den Zugewanderten helfen, die Englisch als Fremdsprache in ihren Herkunftsländern erlernt haben. Für neu zugewanderte Bürgerinnen und Bürger sollte ein virtuelles Willkommenszentrum als Onlineangebot eingerichtet werden. Die Zugewanderten könnten dann auf wichtige Grundinformationen zum Start in ein neues Leben in Deutschland online zugreifen.

Gute Beispiele:

Das Integrationsportal des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unterstützt mit seinem Angebot den Integrationsprozess in Deutschland. Das Angebot richtet sich an Zugewanderte, Akteurinnen und Akteure der Integrationsarbeit wie auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Die Informationen sind in englischer, türkischer und russischer Sprache verfügbar. www.integration-in-deutschland.de

Das gemeinsame Internetportal der Bundeszentrale für politische Bildung, der Deutschen Welle, des Goethe-Instituts und des Instituts für Auslandsbeziehungen bietet mit Qantara.de eine Plattform für den Dialog mit der islamischen Welt. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Neben aktuellen Nachrichten werden Dossiers zu Themen wie feministischer Islam, Kopftuchdebatte, israelisch-palästinensischer Dialog, aber auch zu Reisen und Musikwelten in deutscher, englischer, türkischer und arabischer Sprache angeboten. www.qantara.de

Das Ressort Zuwanderung und Integration der Stadt Wuppertal hat das Wuppertaler Integrationsportal initiiert, was gemeinsam mit den Integrationsdiensten der Wohlfahrtsverbände, Migrationsselbstorganisationen, dem Migrationsausschuss und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entwickelt wurde. Das Portal bündelt Verwaltungsinformationen und -dienste für Zugewanderte ebenso wie Angebote von Migrationsdiensten und Migrantenselbstorganisationen in englischer, türkischer, russischer und französischer Sprache. www.integration-in-wuppertal.de

Die Studie Weltoffenheit kommunaler Internetpräsenzen. Integration durch Information im Rahmen des Forschungsprojekts „Politisches Potential des Internet“ an der Universität Münster hat die kommunalen Internetauftritte anhand von neun für Migrantinnen und Migranten relevanten Kriterien analysiert. Das Studienprojekt bewertet „Informationsbereitstellung für Migranten“ in zehn Städten. Mit 25 von 27 Punkten erreichte der Webauftritt der Stadt Berlin die höchste Punktzahl und die Note 2+ vor München (24, Note 2). //ppi.uni-muenster.de/Studierendenprojekte.html

In dem Modellprojekt MISS (migrantenbezogene Mehrsprachigkeit bei Internetangeboten zur Stadtentwicklung und Stadtplanung) wurden mehrsprachige Internetangebote in vier Modellkommunen eingerichtet, um den Zugang zu Informationen über Stadtentwicklung und Stadtplanung für Migrantinnen und Migranten zu erleichtern. Das Modellprojekt war ein gemeinsames Vorhaben der Städte Arnsberg, Gütersloh, Iserlohn und Solingen und wurde durch das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW gefördert. In den einzelnen Kommunen wurden jeweils aktuelle Fragen der Stadtentwicklung und Stadtplanung ausgewählt und Strategien zur Ansprache und Aktivierung der Migrantinnen und Migranten konzipiert. Mehrsprachigkeit wird von den Kommunen als Türöffner für Partizipationsprozesse und als „Baustein für lokale Demokratie und zukunftsfähige Stadtentwicklung“ betrachtet.
www.tetraeder.com/miss

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