Offliner 2009: Frauen über 60 bilden die Kerngruppe
Ergebnisse der ARD/ZDF-Offlinestudie 2009: Mit einem Plus von rund 800 000 Onlinern auf nunmehr 43,5 Millionen Internetnutzende hat sich der Zuwachs der internetnutzenden Menschen weiter verlangsamt. 2009 konnte sich der Trend der letzten Jahre, dass vor allem Frauen und ab 60-Jährige „aufholen“, nicht fortsetzen. Auch 2009 nutzt mit 72,9 Prozent die übergroße Mehrheit der ab 60-Jährigen kein Internet. Hochgerechnet sind dies 14 Millionen Personen, der Rückgang an Offlinern in dieser Altersgruppe beträgt im Vergleich zum Vorjahr nur noch 230 000 Personen.
Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt 2009 bei 32,9 Prozent – dies entspricht 21,34 Millionen Erwachsenen (ab 14 Jahren). Im Vorjahr lag der Offlineranteil bei 34,2 Prozent, in absoluten Zahlen hat sich diese Gruppe um rund 800 000 Erwachsene verkleinert. Der größere Rückgang der Offlinerzahlen zeigt sich bei den 40- bis 49-Jährigen. 330 000 Offliner sind in dieser mittleren Altersgruppe weniger zu verbuchen, so dass dieses Segment nun nur noch 2,4 Millionen Personen umfasst. Damit ist nur noch jede/r Fünfte zwischen 40 und 49 Jahren ohne Internetzugang. Nicht nur durch das höhere Alter, sondern auch durch die Nicht-Berufstätigkeit lassen sich die Offliner charakterisieren. Auch wenn der Anteil unter den Nicht-Berufstätigen seit Jahren sinkt, so sind es 2009 immer noch knapp zwei Drittel in dieser Gruppe, die kein Internet nutzen – vor fünf Jahren waren es noch über drei Viertel. Damit zeigt sich erneut der starke Zusammenhang zwischen Internetnutzung und Beruf. Das Kennenlernen des Internet und seine Nutzung im Beruf bauen vor allem in den älteren Generationen Nutzungsbarrieren erkennbar ab und erleichtern dadurch die (spätere) private Nutzung.
Hinsichtlich der technischen Ausstattung zeigen sich zwischen Onlinern und Offlinern die größten Gemeinsamkeiten beim Fernseh- und Radiobesitz sowie bei der Ausstattung mit einem Videorecorder. Ansonsten sind die Offlinerhaushalte auch 2009 weniger „digital“: Die größten Unterschiede zeigen sich – erwartbar – beim Besitz von PCs, auch bei DVD-Playern, MP3-Playern und von Spielekonsolen. Unterschiedlich hoch fällt auch der Anteil des persönlichen Handybesitzes aus: 92 Prozent der Onliner, aber nur 60 Prozent der Offliner nutzen selbst ein Handy. Offlinern bieten sich in ihrer Nahwelt wenige Anknüpfungspunkte an technische Entwicklungen: Zum einen gibt es in vielen Haushalten auch sonst niemanden, der das Internet nutzt (75 Prozent), zum anderen ist auch der Anteil der im Haushalt lebenden Kinder – die nahezu alle mit dem Internet aufwachsen – aufgrund des hohen Alters der Offliner verschwindend gering (7 Prozent).
Gründe für die Mediennutzung – Offliner und Onliner im Vergleich
Das wichtigste Medium für die Offliner ist – über die Bandbreite der Nutzungsgründe – das Fernsehen. 72 Prozent sehen beispielsweise in dem Medium die Möglichkeit, den Alltag zu vergessen. 68 Prozent geben an, dass Fernsehen Spaß macht man sich dann nicht so alleine fühlt, 57 Prozent können sich dabei entspannen. 54 Prozent betonen, dass es am ehesten das Fernsehen erlaubt, mitzureden und für die Hälfte gehört es aus Gewohnheit dazu. Über den Hörfunk können sich 27 Prozent der Offliner gut entspannen, für 22 Prozent gehört das Radio aus Gewohnheit dazu und jede/r fünfte gibt an, dass er sich dann nicht alleine fühlt. Die Tageszeitung hat bei den Offlinern ein stärker informationsorientiertes Profil als das Fernsehen und der Hörfunk, 34 Prozent informieren sich am ehesten über die Tageszeitung. Für 36 Prozent ist hilfreich, um sich Im Alltag zurechtfinden, 32 Prozent wollen über ihre Lektüre Mitreden können, 30 Prozent schließlich wollen durch die Tageszeitung Denkanstöße bekommen.
Bei den Onlinern tritt nun das Internet stark hinzu – und kommt auf folgende Rangreihe bei der Frage, was am ehesten unter allen Medien zutrifft:
- 41 Prozent macht das Internet Spaß,
- 34 Prozent hilft es, sich im Alltag zurechtzufinden,
- 33 Prozent wollen sich dort informieren,
- 30 Prozent erhoffen sich, Denkanstöße bekommen und
- 23 Prozent wollen durch die Nutzung Mitreden können.
- 22 Prozent sind es, die das Internet nutzen, um sich nicht allein fühlen,
- 21 Prozent wolllen dabei den Alltag vergessen,
- 16 Prozent nutzen es aus Gewohnheit und
- 9 Prozent entspannen sich dabei.
Damit wandern bei den Onlinern im Vergleich zu den Offlinern „Kompetenzen“ der traditionellen Medien in Richtung Internet. Der Durchschnitt der unterschiedlichen Bereiche zeigt, dass das Fernsehen seinen Spitzenplatz behauptet, aber gleichzeitig auch deutlich verliert. Im Schnitt 57 Prozent der erreichten Werte bei den ersten Plätzen konnte das Fernsehen bei den Offlinern verzeichnen, bei den Onlinern sind es 41 Prozent. Die Tageszeitung kommt im Schnitt bei den Offlinern auf 22 Prozent, bei den Onlinern auf 16 Prozent, der Hörfunk bleibt in den Kompetenzzuweisungen mit 19 Prozent bzw. 17 Prozent fast konstant.
Anschlussbereitschaft ans Internet und Entwicklungspotenziale
Im Frühjahr 2008 hatten 4,2 Prozent der Gesamtbevölkerung, rund 2,7 Millionen Menschen, bekundet, sich in der nächsten Zeit „ganz bestimmt“ einen Internetzugang anzuschaffen. Tatsächlich hat sich bis zur Erhebung im Frühjahr 2009 die Anzahl der Internetnutzenden um 800 000 erhöht – also haben knapp 30 Prozent der Nutzungsplanenden ihre Absicht umgesetzt. Legt man diese – im Vergleich zu den Vorjahren – abgeschwächte Zuwachsrate zugrunde, dürfte der Zuwachs auch im kommenden Jahr verhalten ausfallen: In der diesjährigen Studie haben erneut 4,2 Prozent der Bevölkerung ihre Internet-Anschaffungsabsicht bekundet. Sollte dieses Mal etwa jede/r Dritte diese Pläne umsetzen, so bedeutete das für das Frühjahr 2010 ein Plus von rund 900 000 Personen. Der Onlineanteil läge dann bei 68,5 Prozent, 31,5 Prozent der Bevölkerung blieben offline.
Dass die Offliner beim Thema Internet nicht völlig im Dunkeln tappen, belegt nicht nur die erneut geringere Zahl an Offlinern, die überhaupt keine Vorstellung vom Internet haben – 2009 bekunden dies nur noch 5,9 Prozent der Bevölkerung, dies entspricht rund 3,8 Millionen Personen (minus 1,2 Millionen im Vorjahresvergleich).Viele der heutigen Offliner haben sich durchaus mit den Vor- und Nachteilen des Internet auseinandergesetzt. Wenn sich immer noch mehr als 20 Millionen Deutsche gegen das Internet entscheiden, dann liegt das auch daran, dass ihnen die Informations- und Unterhaltungsangebote der traditionellen Medien wie Fernsehen, Radio und Print vollkommen ausreichen.
Die Struktur der Ablehnungsgründe ist seit Jahren stabil. Neben den unerkannten Vorteilen des Internet gibt es aber auch ganz praktische Gründe für die distanzierte Haltung der Offliner. Die Kosten für die Anschaffung des PCs sowie für den monatlichen Betrieb erscheinen knapp 40 Prozent als zu hoch. Die Vielfalt der Internetanbieter und -tarife ist sogar jedem zweiten Offliner zu verwirrend und unübersichtlich. Auch die Sorge, soziale Kontakte zu vernachlässigen, ist für immerhin 47 Prozent der Offliner ein Grund, sich keinen Internetzugang anzuschaffen. Gegenüber 2008 hat sich jedoch die Vehemenz der Ablehnung abgeschwächt. Vor dem Hintergrund der weiter gestiegenen Onlinenutzung, insbesondere auch in der älteren Generation, wird es für die Offliner offensichtlich schwerer, ihre Internetferne mit sachlichen Argumenten zu begründen. Auch die Gruppe der stark ideologisch motivierten Offliner ist geschrumpft. 34 Prozent der Offliner lehnen das Internet grundsätzlich ab (minus 9 Prozent-Punkte gegenüber 2008). Am stärksten an Gewicht verloren hat das Argument, dass durch die Internetnutzung die sozialen Kontakte vernachlässigt werden (minus 13 Prozent-Punkte). Geschrumpft ist auch die Gruppe, die das Internet weder beruflich noch privat braucht (minus 7 Prozent-Punkte). Die Einstiegsbarrieren, die aus Kosten und Tarifdschungel resultieren, sind ebenfalls niedriger geworden.
Erneut untersucht die aktuelle Studie die Zugangsimpulse zum Internet. Befragt werden hierbei diejenigen, die entweder früher online waren oder eine Vorstellung vom Internet haben und sich einen Internetanschluss anschaffen wollen. Die nach wie vor wichtigsten Anreize für die Anschaffung eines Internetzugangs resultieren aus dem Informationsreichtum des Netzes. Die Offliner möchten sich vor allem einen Internetzugang zulegen, um so an interessante Informationen herankommen zu können (75 Prozent Zustimmung), weil sie die Informationen schnell und zeitunabhängig bekommen können (69 Prozent Zustimmung) und weil es bestimmte Informationen nur im Internet gibt (67 Prozent Zustimmung). Ein weiterer wichtiger Grund für das Interesse am Netz ist es auch, dazuzugehören und sich nicht von grundlegenden Medienentwicklungen auszugrenzen. Für 68 Prozent der befragten Offliner gehört ein Internetzugang heutzutage einfach dazu.
Fazit
Rund 33 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben heute noch keinen Zugang zur Onlinewelt. Ihre Gründe, sich bisher dem Netz zu verweigern, sind sehr verschieden und je nach Nutzungstyp anders gewichtet; ebenso unterschiedlich sind mögliche Motive für einen eventuell künftigen Zugang in die Onlinewelt. Für eine weitere Verbreitung des Internet braucht es auf die verschiedenen Zielgruppen bzw. Nutzungstypen und deren Bedürfnislage ausgerichtete Strategien und eine die vorhandene Skepsis aufgreifende Kommunikation. Die Berührungsängste der Offliner mit den neuen Technologien könnten durch entsprechende Kursangebote abgebaut werden. Handlungsbedarf gibt es auch bei der Verbesserung der Netzsicherheit und des Datenschutzes.
Den kompletten Artikel zur Offliner-Studie finden Sie unter: www.media-perspektiven.de
Quelle: Media Perspektiven 7/2009


















