Vielfalt als Chance?
Diversity Management ist stark im Kommen. Gute Unternehmen wissen längst, warum! Vier Diversity ManagerInnen großer Konzerne im Culture Counts Roundtable: Aletta Gräfin von Hardenberg (Deutsche Bank), Maud Pagel (Deutsche Telekom), Ursula Schwarzenbart (Daimler) und Hans Jablonski (Deutsche BP).
Culture Counts: Eine internationale Studie der Bertelsmann Stiftung zum Diversity Management kommt zum Ergebnis: "Deutschland hinkt hinterher." Und dies, obwohl wir den höchsten Ausländeranteil Europas haben und als Exportland hochglobalisiert sind. Wo sehen Sie die Gründe, warum dieses Thema noch im Verborgenen liegt?
Pagel: Als wir angefangen haben, sogenannte Gastarbeiter zu rekrutieren, hat man Menschen völlig unterschiedlicher Kulturen nach Deutschland geholt. Ohne zu bedenken, dass diese Menschen bleiben und Familien haben werden. Keine Rede von Integration damals. Das war ein falscher Einstieg: Gäste lässt man in der Regel nicht arbeiten! Dennoch mussten sich Unternehmen früh mit Diversity beschäftigen, weil am Arbeitsplatz ganz unterschiedliche Mentalitäten und kulturelle Hintergründe aufeinandertrafen und Konflikte gelöst werden mussten. Deshalb ist die Wirtschaft teilweise weiter als die restliche Gesellschaft.
Jablonski: Deutschland macht Geschäfte mit der Welt, und interkulturell haben wir sicherlich noch einige Herausforderungen vor uns. Aber hinken wir wirklich hinterher? Vielleicht gegenüber manchen angelsächsischen Ländern. Nicht jedoch im Vergleich etwa zu Spanien, wo es zwar eine gute Gesetzgebung zur Vielfalt gibt, aber in Unternehmen sehr wenig gemacht wird. In Italien finden wir kaum Berater zum Thema Diversity. In Finnland gibt es nicht einmal eine nennenswerte gesellschaftliche Debatte. Bei uns beginnt das Gespräch darüber. Immerhin.
Hardenberg: Wir heißen Deutsche Bank, sind aber ein globales Institut: Wir beschäftigen Menschen aus über 130 Nationen in 75 Ländern. Wir haben kulturelle Vielfalt gleichsam in unserer DNA eingebaut. Der zweite Grund, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen, sind unsere Kunden. Deren Bedürfnisse sind ebenfalls kulturell sehr vielfältig, und darauf gehen wir mit verschiedenen Konzepten und Produkten ein. Unter dem Namen "Bankamiz" hat die Deutsche Bank beispielsweise ein spezielles Beratungskonzept für türkische und türkischstämmige Kunden entwickelt, das bundesweit bislang in 26 Filialen angeboten wird. Die Kunden werden dort von zweisprachigen Beratern über das spezielle Leistungsangebot informiert. Die Beratung ist auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnitten, Werbung und ausgewählte Produktbroschüren stehen auch in türkischer Sprache zur Verfügung. Ein Beispiel für kulturspezifische Produktangebote ist sicher "Islamic Banking". Solche Angebote werden vor allem im Nahen und Mittleren Osten verstärkt nachgefragt.
Schwarzenbart: DaimlerChrysler macht in über 100 Ländern dieser Welt Geschäfte. Deshalb brauchen wir Menschen in unseren Reihen aus vielen Ländern, mit vielfältigen kulturellen Kompetenzen. Nur so verstehen wir die Märkte in diesen Ländern. Aber auch hierzulande: Wir haben einen Mangel an Fachkräften. Wir sollten die Einwanderungsbedingungen für noch qualifiziertere Fachkräfte vereinfachen, um dieses Defizit auszugleichen. Gleichzeitig bedeuten mehr Migranten, dass ein gutes Diversity Management immer wichtiger wird.
Vollständiges Interview unter: www.culture-counts.de/Article/35/de














