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Call for Papers verlängert: Geschlechtergererechte Fachdidaktik

Vom 4.-6. Februar 2016 findet die Konferenz "Geschlechtergerechte Fachdidaktik in Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaftswissenschaften" an der Pädagogischen Hochschule Weingarten statt, zu der 300 Teilnehmende erwartet werden. Die Einreichungsfrist für Konferenzbeiträge wurde bis 13.09.2015 verlängert.

Seit vielen Jahren werden Anstrengungen unternommen, mehr Frauen für Berufe in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, Naturwissenschaften und Technik zu gewinnen, um Arbeitsangebotslücken in zahlreichen Berufszweigen zu schließen und den auf dem Arbeitsmarkt vorherrschenden Geschlechterungleichheiten entgegenzuwirken. Gründe für diese Ungleichheiten liegen in der nach wie vor starken horizontalen wie vertikalen Arbeitsmarktsegregation in diesen Berufsgruppen, welche ein Ergebnis vergeschlechtlichender Professionalisierungsprozesse ist.
Forschungsergebnisse zeigen, dass Entwicklungen und Strukturen der Kontinuisierung und De-Institutionalisierung von Geschlecht beobachtbar sind. Dass diese Strukturen jedoch keineswegs starr sind, lässt sich an wechselnden Geschlechtermajoritäten in Berufen erkennen.

Das gesellschaftliche Interesse an Fragen danach, wie man die qualifizierten Abschlüsse in naturwissenschaftlich-technischen Berufen anheben oder in den Wirtschaftswissenschaften die horizontale und vertikale Arbeitsmarktsegregation reduzieren kann, und in welchem Ausmaß und warum Jungen und Mädchen bestimmte Fächer wählen und wie das zu ändern wäre, ist groß. Dabei begründen zahlreiche internationale Studien die Fächer- und Berufswahl mit Unterschieden im Interesse, mit der geringen Attraktivität von wirtschaftswissenschaftlichem und naturwissenschaftlichem Unterricht, mit unterschiedlichen Selbstkonzepten von Jungen und Mädchen und einem männlich bzw. weiblich konnotierten Image der Fächer.

Der Schule gelingt es nach wie vor nicht, die bestehenden Geschlechterungleichheiten abzubauen. Geschlechtersensible Fachdidaktik ist angehalten, den genannten Aspekten zu begegnen. Impulse dafür kommen aus der Geschlechterforschung. Zum einen zeigen konstruktivistische und dekonstruktivistische Ansätze zu Gender auf, wie Forschung und Schule an der Zuspitzung von Differenzen, ihrer Dramatisierung und Herstellung beteiligt sind. In Untersuchungen werden daher nicht nur geschlechtsbezogene Unterschiede aufgezeigt, sondern wenn dies unreflektiert erfolgt, werden diese Unterschiede auch reifiziert. Forschung ist somit an der Herstellung und Perpetuierung geschlechtsbezogener Unterschiede selbst beteiligt.

Auch in der Schule haben geschlechterorientierte Fördermaßnahmen eine gegenteilige Wirkung, da Differenzen häufig nur dramatisiert und somit betont werden. Einige Forschende richten ihren Fokus deshalb auf die Untersuchung der Konstruktionsprozesse von Geschlecht in Schule und Unterricht (zumeist im Sinne des Sozialkonstruktivismus nach Goffman oder nach Bourdieus Habitus-Konzept).

Eine ganzheitliche geschlechtergerechte Bildung ist jedoch weitaus umfassender. Sie erfordert einen Dreischritt, welcher neben der "Konstruktion" auch die "Rekonstruktion" sowie die "Dekonstruktion" beinhaltet. Eine geschlechtergerechte Schulbildung erfordert (für jede Fachdidaktik) unterschiedliche Herangehensweisen und geht somit sowohl mit einer Bewusstmachung der Geschlechterdifferenzen in und für Bildungsprozesse als auch deren bewusst vorgenommener Dekonstruktion einher. Diese Prozesse für die naturwissenschaftlich-technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fachdidaktiken zu untersuchen, steht noch aus.

Die geplante Konferenz rückt daher die geschlechtergerechte Bildung in den Fächern Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaftswissenschaft in den Mittelpunkt, um eine geschlechtergerechte Partizipation der am Arbeitsmarkt vorzufindenden Berufssegmente zu begünstigen. Sie ist eine vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderte Kooperation der Pädagogischen Hochschulen in Schwäbisch Gmünd und Weingarten (Förderkennzeichen 01FP1419/01FP1421).

Erwünscht sind Konferenzbeiträge zu folgenden Fragestellungen:

  1. Was ist über geschlechterbezogenes Wissen sowohl bei den unterrichtenden Lehrkräften als auch bei den Schülerinnen und Schülern bekannt? Welche Einstellung herrscht zu dieser Thematik vor und wie gehen sie damit im Unterricht um?
  2. Wie ist der aktuelle Stand der Geschlechterforschung in der jeweiligen Fachdidaktik? Welche Stärken und Schwächen haben die Erkenntnisse? Welche Fragen sind bisher unbeantwortet geblieben und welche Widersprüche können ausgemacht werden? Gibt es in der Fachdidaktik ein Ideal von Geschlechtergerechtigkeit? Werden Ansätze der Intersektionalität berücksichtig und wenn ja, welchen Einfluss haben sie auf die jeweilige Fachdidaktik?
  3. Welche theoretische Fundierung liegt der jeweiligen geschlechtergerechten Fachdidaktik zugrunde? Werden Aspekte der Geschlechterkonstruktion bzw. -dekonstruktion in einzelnen Eckpunkten der Unterrichtskonzeption berücksichtigt (z. B. im Hinblick auf eine Explikation der Zielgruppe oder der Rahmenbedingungen; bzgl. der Formulierung einer Auswahl geschlechtersensibler Kompetenzen; hinsichtlich der Auswahl, Anordnung und Explikation geschlechtersensibler Inhalte; bzgl. der Auswahl und Begründung von Methoden und Medien oder der Überprüfung von Lernergebnissen etc.)?
  4. Welche Konsequenzen ergeben sich für die jeweiligen Fachdidaktiken aus dem Zusammenspiel von Konstruktion und Dekonstruktion für eine geschlechtergerechte Lehre? Welche Maßnahmen werden diesbezüglich ergriffen? Liegen beispielhafte Unterrichtskonzepte vor und wurden diese unter Prüfung der Wirksamkeit eingesetzt und evaluiert?
  5. Welche Methoden einer geschlechtergerechten Kompetenz-vermittlung haben sich bislang nachweisbar bewährt? Welche Ergebnisse der Lehr-/ Lernforschung stehen zur Einschätzung der Wirksamkeit zur Verfügung? Was hat die empirische Unterrichtsforschung zukünftig zu leisten, um den Kenntnisstand über Erfolgsbedingungen eines gelungenen geschlechtergerechten Unterrichts zu verbessern?

Aus den einzureichenden Abstracts hat deutlich hervorzugehen, auf welche dieser fünf Fragestellungen Bezug genommen wird.

Die Beiträge werden auf der Konferenz in ca. 20-minütigen Vorträgen präsentiert. Auch außerhalb der Sessions wird es zahlreiche Möglichkeiten zum fachlichen Austausch geben.

Bitte stellen Sie Ihre Abstracts (max. 3000 Zeichen) unter www.gelefa.de ein. Die Einreichungsfrist wurde bis 13.09.2015 verlängert. Anfang Oktober erhalten Sie eine Benachrichtigung darüber, ob Ihre Bewerbung erfolgreich war.

Bei Fragen steht Ihnen gerne die Projektmitarbeiterin Frau Katrin Sorge (info@gelefa.de, Telefon 07171-983483) zur Verfügung.

Das Projekt "Geschlechtergerechte Fachdidaktik in Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaftswissenschaften (GELEFA)" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen "Komm, mach MINT." gefördert.

Quelle: www.komm-mach-mint.de/MINT-News

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