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Geschlechterstereotype in der Spielzeugindustrie

Kinder und Jugendliche werden nach wie vor stark durch stereotype Rollenbilder beeinflusst. Vor allem durch Medien und Werbeindustrie wird transportiert, dass Mädchen hübsch und schlank und Jungs harte Kerle sein müssen. Mädchen tragen Rosa und Jungs tragen Blau. Gerade zur Weihnachtszeit werden in den Spielzeugkatalogen Bilder von Mädchen, die mit Puppen spielen, und Jungs, die eine Pistole in der Hand halten, gezeigt. So werden Kinder schon früh mit Geschlechterklischees konfrontiert, die sie für ihren späteren Lebensweg beeinflussen.

Prof. Dr.-Ing. Burghilde Wieneke-Toutaoui, Professorin für Industrial Engineering an der Beuth Hochschule für Technik Berlin, hat mit uns über das Thema Geschlechterstereotype in der Spielzeugindustrie gesprochen. Die Mutter dreier Kinder bekleidet neben ihrer Professur seit März 2012 im Verein Deutscher Ingenieure (VDI) das Amt der Vorsitzenden des Bereichs "Frauen im Ingenieurberuf" (fib). Als Beisitzerin ist sie zudem Mitglied des Vorstandes im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit und Jury-Mitglied des Berliner Chancengleichheitsprogramms. Mit ihren Tätigkeiten ist es ihr ein Anliegen, Mädchen und junge Frauen für Ingenieurberufe zu gewinnen und ihnen entsprechende Rollenvorbilder zu vermitteln.

Wieneke-Toutaoui hat den Eindruck, dass das Spielzeugangebot in Deutschland entgegen ihrer Erwartungen zunehmend stärker nach Jungen und Mädchen getrennt angeboten wird: „In meinem Supermarkt hängen nun Schilder an den Spielzeugregalen, auf denen steht ‚Jungen bis xx Jahre‘ und ‚Mädchen bis xx Jahre‘, in Buchhandlungen werden die Kinderbücher nach Geschlechtern sortiert und die Überraschungseier gibt es nun auch in einer Mädchenversion. Das macht mich traurig bis wütend, denn ich dachte, dass diese Zeiten vorbei seien. Die Eltern sollten sich bei der Auswahl von Spielwaren und Büchern nach den Interessen der Kinder richten und nicht nach dem Geschlecht.“

Beispiele wie der schwedische geschlechtsneutrale Spielzeugkatalog der Top-Toy Group (Toys R Us) zur Weihnachtssaison zeigen, dass es auch anders geht: Gezeigt werden Jungen beim Frisieren einer Puppe, Mädchen auf Traktoren oder Jungen, die gemeinsam mit Mädchen mit einer Spielzeugküche spielen. Gleichstellung der Geschlechter zeigt sich in Schweden auch auf dem Arbeitsmarkt sowie in der Sprache. Im letzten Jahr wurde die Verwendung des geschlechtsneutralen Pronomens „hen“ anstatt „er“ oder „sie“ in Schweden offiziell anerkannt.

Doch auch in Deutschland wird offen Kritik an den durch die Industrie transportierten Geschlechterklischees geübt. Die Initiative Pinkstinks, die es zunächst in England und seit diesem Jahr auch in Deutschland gibt, kritisiert vor allem die Werbeindustrie und meint, dass die vorgegebenen Rollenbilder in der Werbung Mädchen eher dazu bringen würden, Topmodel werden zu wollen als Ingenieurin oder Politikerin.

Was können nun Eltern tun, um bei der Spielzeugauswahl die Geschlechterklischees nicht zu bedienen? Wieneke-Toutaoui rät Eltern, ruhig selbstbewusst zu entscheiden, was ihrem Kind gefallen könnte. Wichtig sei vor allem, dass die Kinder dazu angeregt werden, zu fragen, zu forschen und die Welt zu begreifen. Außerdem müssten Eltern auch akzeptieren, wenn ihre Kinder mit anderen Spielzeugen spielen als denjenigen, die von den Eltern präferiert werden. „Mein Sohn hat sich auch aus Lego eine Pistole gebaut. Zudem wird aus einem Mädchen ja nicht unbedingt eine Kandidatin für Germany‘s Next Topmodel, nur weil sie mit einer Barbie spielt, und ein Junge wird nicht unbedingt Kfz-Mechatroniker, wenn er Modellautos hat.“ Wichtig ist ihrer Meinung nach die Kommunikation mit den Kindern über ihre Vorstellungen der Welt und was die Eltern ihren Kindern vorleben. Wenn Eltern häufig Kritik äußern über die in Medien und Werbung vermittelten Klischees, werden die Kinder ganz von selbst über Geschlechterstereotype nachdenken.

Weitere Informationen zum Thema:

pinkstinks.de

Riley on Marketing (YouTube-Video)

"Sweden 'Trying To Banish Gender' Through Toy Advertising And Language" (Artikel aus der Huffington Post)

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