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Ryanair: Aus „Ms“ wird „Fräulein“?

„Doing Gender“ kann sehr subtil sein. Oder eben auch sehr deutlich: Wenn es beispielsweise darum geht, Menschen Auswahlmöglichkeiten für ihre gewünschte Anrede zu geben. In Doing UX: Doing Gender habe ich über die fehlende Wertschätzung in Webformularen geschrieben, habe in Agony of Choice: Webforms for Selecting Titles gezeigt, dass auf deutschen Webformularen häufig die männliche...

„Doing Gender“ kann sehr subtil sein. Oder eben auch sehr deutlich: Wenn es beispielsweise darum geht, Menschen Auswahlmöglichkeiten für ihre gewünschte Anrede zu geben.

In Doing UX: Doing Gender habe ich über die fehlende Wertschätzung in Webformularen geschrieben, habe in Agony of Choice: Webforms for Selecting Titles gezeigt, dass auf deutschen Webformularen häufig die männliche Anrede oben steht. Und in Doing Gender in Input Fields auf der Basis von Ben Shneiderman’s Micro- und Macro-HCI-Perspektive Gender und Eingabefelder zusammengebracht.

Aber Einzelfälle sind dann doch immer noch krasser als statistische Auswertungen und theoretische Abhandlungen. Ryanair wurde für „hoffnungslos altmodische Trennung“ von „Frau“ und „Fräulein“ im Webformular schon im Beitrag Ledige Frauen reisen bei Ryanair als Fräulein kritisiert. Aber nun haben mir zwei Frauen, die einen Flug bei Ryanair gebucht haben, ihre Flugbestätigung geschickt: Beide werden als „Fräulein“ geführt. Sie sind sich ganz sicher, dass sie zu keinem Zeitpunkt die Anrede „Fräulein“ ausgewählt haben oder angegeben haben, ledig zu sein (was nicht zuletzt deshalb glaubwürdig ist, weil es nicht stimmt). Wie also kommt das „Fräulein“ dorthin? Leider lässt sich der Buchungsvorgang nicht rekonstruieren, da er über ein anderes System erfolgte. Aber ich habe mir die Anmeldeseiten von Ryanair auf Deutsch und auf Englisch angeschaut: Die englische Seite bietet die Auswahl „Mr“, „Mrs“ und „Ms“. Auf der deutschen Seite wird in dem Pulldown-Menü „Herr“, „Frau“ und „Fräulein“ angeboten. Ich vermute, dass hier um Anpassungskosten zu sparen im Deutschen ebenso wie im Englischen drei Anredeoptionen zur Auswahl gegeben werden sollten. Ich vermute, dass als Default für weibliche Passagiere die Anrede „Ms“ gewählt wird, wenn nicht genau spezifiziert wurde, wie sie angesprochen werden möchte – das wäre im Englischen auch absolut angemessen. Und ich vermute, dass aus dieser dritten Option im Pulldown-Menü dann im Deutschen „Fräulein“ wird. Das ist traurig, wenn man bedenkt, dass die Anrede „Ms“ nicht zuletzt deshalb geschaffen wurde, um Frauen einen Titel zu geben, der unabhängig von ihrem Familienstatus ist.

Holger Zschäpitz von Die Welt hat mit Ryanair gesprochen – über die Auskunft, die er dort bekommen hat, schreibt er: „Da es in Irland weiterhin üblich sei, die unverheiratete Frau mit Miss anzusprechen, gäbe es eben auch die sprachlichen Pendants von Fräulein über Signorina und Señorita bis Mademoiselle auf den nationalen Ryanair-Websites.“ Da die englischsprachige Webseite eben genau nicht „Miss“, sondern „Ms“ anbietet, ist diese Aussage von Ryanair mehr als merkwürdig. Die Peinlichkeit der Aussage, dass es die Kosten nicht wert war, es zu ändern, wird nun noch getoppt: Weil es die Anrede „Fräulein“, die hier als in Irland üblich dargestellt wird, auf der englischsprachigen Webseite gar nicht gibt. Dort wird das gendergerechte „Ms“ verwendet.

Quelle: www.gender-useit.de

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