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Frauen und Technik: Von alten Bildern zu neuen Rollen?

Der Mythos von einer technischen und einer nichttechnischen Welt, der sich in den Unterschieden zwischen Männern und Frauen traditionellerweise manifestiert, hält sich nach wie vor hartnäckig. Ein öffentlicher Workshop im Bundestag, zu dem der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung und der Deutsche Frauenrat eingeladen hatten, beschäftigen sich mit dieser Vergeschlechtlichung von Technik und Überwindungsstrategien.

Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Ulla Borchert (SPD) hob die Veranstaltung am 23. Mai als Premiere hervor. Sie betonte, dass sich ihr Gremium zwar bereits mit sehr vielen Themen beschäftigt habe, Geschlechterfragen dabei aber so gut wie nie eine Rolle gespielt hätten. Sie bedankte sich beim Deutschen Frauenrat für den Impuls, den sein Positionspapier Ohne Frauen fehlt der Technik gegeben habe.

Männer beherrschen die Technik – Frauen sind kreativ

In ihrem Referat „Ohne Frauen fehlt der Technik was“, stellte Dr. Kira Stein, Vorstandsmitglied des Deutschen Frauenrates sowie des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit, die These auf, dass Frauen zwar historisch betrachtet an der Entwicklung und Anwendung unterschiedlicher Techniken und Technologien stets beteiligt gewesen seien, Technik und deren Beherrschung per se aber männlich konnotiert sei, während Frauen höchstens als kreativ gelte.

„Wenn ein Mann an einer Drehmaschine eine Achse herstellt, ist das Technik, wenn eine Frau ein Kleid mit einer Nähmaschine fertig, ist es das nicht.“

Und sie führte weitere anschauliche Beispiele aus dem Bereich der Alltags- und Arbeitstechnik auf. Technik sei etwas für Experten; Expertinnen würden darin kaum oder gar nicht wahrgenommen. Diese Vergeschlechtlichung hätten auch Frauen verinnerlicht, die in technischen Bereichen arbeiteten. So verstünden sich Ingenieurinnen laut Umfragen nicht als „Frauen in der Technik“, so Stein, selbst promovierte Maschinenbauingenieurin. Sie forderte u.a. Technikentwicklung und -anwendung stärker als bislang in die schulische Bildung zu integrieren, Frauen in technischen Berufen verstärkt zu fördern und sichtbar zu machen, mehr Beteiligung von Frauen bei der Entwicklung anwendungsorientierter Technologien und generell mehr Transparenz und BürgerInnenbeteiligung bei Forschung und Entwicklung von Technologien und bei der Technikfolgenabschätzung. Stein verurteilte die in der „Bildungselite“ häufig verbreitete Haltung, mit „Technik nichts am Hut“ zu haben als wirklichkeitsfremd und borniert.

Gibt es einen weiblichen Blick auf Technik?

Bettina-Johanna Krings vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse ging in ihrem Vortrag der Frage nach: Gibt es einen weiblichen Blick auf Technik? Ja – und nein, so die Referentin. Feststellen ließe sich ein weitestgehender Ausschluss von Frauen aus wissenschaftlich-technischen Prozessen bis in die Achtzigerjahre. Mit den neuen Frauenbewegungen habe eine vehemente feministische Kritik an patriarchaler Wissenschaft und Technik eingesetzt. Damit einher gegangen sei auch das Ideal einer „weiblichen Technik“, die sich durch größere Menschlichkeit und Emotionalität auszeichne.

Als Beispiel einer solchen radikalen Technikablehnung führte sie die Gen- und Reproduktionstechnologien an, die von Feministinnen zunächst als „patriarchaler Angriff“ auf die „letzte Bastion“ weiblicher Macht, nämlich die Gebärfähigkeit, betrachtet worden sei. Diese Kritik sei inzwischen kaum mehr zu hören, stattdessen erfreuten sich Reproduktionstechnologien wie Invitrofertilisation und Leihmutterschaft immer größerer Beliebtheit und seien ein expandierender Markt. Krings stellte den Umgang von Frauen mit Technik, obzwar immer noch stark „gegendert“, als inzwischen differenzierter dar. Feministische Wissenschaftlerinnen hätten neue Wege eröffnet, wie Frauen sich selbstbewusst auf Technologien einlassen könnten.

Drastischer Mangel an Fachfrauen

Prof. Martina Schraudner, Leiterin für Gender und Diversity in Organisationen am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb an der Technischen Universität Berlin, sprach im Anschluss darüber, wie Frauen stärker an der Technikentwicklung beteiligt werden können. Auch wenn es deutliche geschlechts- und vor allem altersbedingte Unterschiede bei der Akzeptanz technischer Innovationen gebe, seien Frauen alles andere als technikfeindlich. Dabei unterschieden sich die von ihnen bevorzugten Produkte nicht grundsätzlich von denen, die Männer nutzten. „Pink it and shrink it“ (Mach`s rosa und kleiner) genüge nicht, um Frauen für technische Produkte zu begeistern.

Die Perspektivenvielfalt, d.h. besonders auch Genderaspekte müssten in Forschungs- und Entwicklungsprozesse integriert werden, das trüge auch zur Qualitätssteigerung bei, sagte Schraudner, die auch am Fraunhofer Institut neue Methoden und Instrumente für die bedarfsorientierte Forschungsplanung erforscht. Gleichzeitig wies sie am Beispiel des Fachs Elektrotechnik auf den eklatanten Mangel von Expertinnen hin. So hätten in Deutschland in diesem Fach im Jahr 2010 nur 56 Frauen promoviert, die Hälfte davon Ausländerinnen, die nach dem Abschluss das Land verließen. In Forschung und Entwicklung arbeiteten insgesamt 12 Prozent Frauen, davon habe die Hälfte Patente angemeldet.

In der folgenden Diskussion mit rund sechzig Bundestagsabgeordneten und Gästen wurde zum einen mehr Kritik am technologischen Fortschritt angemahnt. Der herrschenden Technikgläubigkeit müsse die Frage gegenübergestellt werden: Welche Technik wollen und brauchen wir überhaupt? Wie müssen sich Gesellschaft und Politik in die Technikentwicklung einbringen?

Auf www.frauenrat.de können Sie sich den Mitschnitt der gesamten Veranstaltung anhören.

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