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"Bildung in Deutschland 2012" - Kultusministerkonferenz und BMBF stellen den vierten Bildungsbericht vor

Am 22.06.2012 haben die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) den Bericht "Bildung in Deutschland 2012" vorgestellt. Der vierte Bildungsbericht zeigt die Gesamtentwicklung des deutschen Bildungssystems und widmet sich in seinem Schwerpunktkapitel dem Thema "Kulturelle/musisch-ästhetische Bildung im Lebenslauf".

Durch seine bildungsbereichsübergreifende Perspektive und die kontinuierliche Fortführung von Kernindikatoren zeigt der vierte Bildungsbericht folgende langfristige Trends im Bildungsbereich auf:

Rahmenbedingungen:

  • Die Bildungsausgaben sind trotz weiter erhöht worden (2009: 165,6 Mrd. Euro; 2010: 172,3 Mrd. Euro), der Anteil am BIP nahm von 6,9% (2009) auf 7,0% (2010) zu.
  • Trotz leicht positiver Tendenzen wachsen noch immer 29% (2006: 32%) der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in mindestens einer Risikolage auf, die mindestens eines der drei Merkmale umfasst: bildungsfernes Elternhaus, Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze, kein Elternteil berufstätig.
  • Der Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund nimmt stetig zu: Unter den 24-Jährigen sind es 23%, bei den unter 1-Jährigen bereits 35%.
  • In den Schulen ergibt sich aufgrund der Altersstruktur des Personals ein hoher Ersatzbedarf und im Elementar- sowie Hochschulbereich aufgrund der Ausbaumaßnahmen ein erhöhter Personalbedarf.
  • Der Anteil der Schulen in freier Trägerschaft steigt zwischen 1998 und 2010 von 5% auf 10%. Die Anzahl der privaten Hochschulen hat sich mehr als verdoppelt.

Anstieg des Bildungsniveaus:

  • Die Ergebnisse des Bildungsberichts zeigten, dass der Bildungsstand der Bevölkerung weiter gestiegen ist. 2010 hatten 22 Prozent der 30- bis unter 35-Jährigen einen Hochschulabschluss. In der Alterskohorte der 60- bis unter 65-Jährigen betrug dieser Anteil lediglich 15 Prozent. Dies ist vor allem auf das veränderte Bildungsverhalten der Frauen zurückzuführen. Während im Jahr 2010 die 30- bis unter 35-jährigen Frauen zu 23 Prozent einen Hochschulabschluss besaßen, hatten in der Gruppe der 60- bis unter 65-jährigen Frauen nur 10 Prozent einen solchen Abschluss. In der Gruppe der 30- bis unter 35-Jährigen wiesen die Frauen mit 23 Prozent erstmals einen höheren Anteil von Personen mit Hochschulabschluss auf als gleichaltrige Männer (22 %).
  • Auch bei Personen mit Migrationshintergrund ist der Bildungsstand in den letzten Jahren gestiegen. Allerdings wies diese Personengruppe 2010 weiterhin geringere Bildungsabschlüsse auf als Personen ohne Migrationshintergrund. In der Gruppe der 30- bis unter 35-Jährigen ist der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund ohne beruflichen Abschluss seit 2005 von 40 % auf 37 % in 2010 zurückgegangen. Der Anteil ist dennoch mehr als dreimal so hoch wie bei den Personen ohne Migrationshintergrund (11 %).

Bildungsbeteiligung gestiegen:

  • Die Bildungs- und Betreuungsquote von Kindern unter 3 Jahren beträgt mittlerweile 25% (2011; 2006: 14%). Bis zur Erreichung des politisch gesetzten Ziels, ein dem Rechtsanspruch ab 2013 Rechnung tragendes Platzangebot zu schaffen, sind insbesondere in Westdeutschland jedoch noch Anstrengungen erforderlich. Der Besuch einer Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege ist hingegen für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren bereits zur Regel geworden (94% Teilnahme). Der Anteil der 2-Jährigen in Westdeutschland steigt von 17% 2006 auf 39% im Jahr 2011.
  • Mittlerweile sind 51% aller Schulen Ganztagsschulen. 28% aller Schülerinnen und Schüler nehmen Ganztagsangebote wahr. Insbesondere Ganztagsschulen erreichen mit ihren pädagogischen Gestaltungsmöglichkeiten auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien.
  • Die Studienanfängerquote ist stark auf über 50% gestiegen und liegt damit deutlich oberhalb des hochschulpolitischen Zielwerts der Qualifizierungsinitiative von 40%.
  • Im Unterschied zur erkennbaren Dynamik und Flexibilisierung im Elementarbereich, in Schulen und Hochschulen gegenüber dem demografischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel stagniert die Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerung.

Schwerpunkt "Kulturelle/musisch-ästhetische Bildung im Lebenslauf"

Die Untersuchung der kulturellen/musisch-ästhetischen Bildung als Schwerpunktthema des Bildungsberichts 2012 gibt Einblick in die künstlerischen und musisch-ästhetischen Aktivitäten der Bevölkerung, die Angebote von Bildungseinrichtungen sowie die Qualifikation des kunst- und kulturvermittelnden Personals.

  • Über alle Altersstufen hinweg lässt sich ein großes Interesse an kultureller/musisch-ästhetischer Bildung ausmachen, auch wenn das hohe Aktivitätsniveau der frühen Kindheit, in der nahezu alle Kinder malen, basteln, ein Instrument spielen oder singen, mit zunehmendem Alter abnimmt. Zugleich vervielfältigen sich jedoch im Jugendalter die Ausdrucksformen auch mit Hilfe der neuen Medien. Im späteren Erwachsenenalter gehen die Eigenaktivitäten zugunsten rezeptiver Formen deutlich zurück.
  • Kitas und Schulen vermitteln allen Kindern und Jugendlichen grundlegende kulturelle, musisch-ästhetische Erlebens- und Ausdrucksformen, die in späteren Lebensphasen ausgebaut oder modifiziert werden können.
  • Insbesondere Ganztagsschulen erweisen sich - häufig in Kooperation mit externen Partnern - als wichtiger Lernort für kulturelle Bildung mit erweiterten Möglichkeiten, allen Schülerinnen und Schülern adäquate Gelegenheiten für kulturelle Aktivitäten zu bieten.
  • Für die Vielfalt und Fülle der kulturellen Bildung sind non-formale Bildungsangebote etwa von Musikschulen, Kultur- und Jugendeinrichtungen, Vereinen, Chören und Orchestern, aber auch selbstorganisierte Aktivitäten von besonderer Bedeutung.

Zur Anlage des Bildungsberichts
Den seit 2006 alle zwei Jahre erscheinenden Bildungsbericht hat eine unabhängige Wissenschaftlergruppe unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erarbeitet. Beteiligt sind das Deutsche Jugendinstitut (DJI), die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie das Statistische Bundesamt und die Statistischen Ämter der Länder.

Der Bildungsbericht gibt zum vierten Mal eine aktuelle Bestandsaufnahme zur Entwicklung des deutschen Bildungswesens. Die besondere Bedeutung des Bildungsberichts liegt darin, die verschiedenen Bildungsbereiche in ihrem Zusammenhang darzustellen und übergreifende Herausforderungen im deutschen Bildungssystem sichtbar zu machen. Der Bildungsbericht mit seiner auf Indikatoren gestützten Gesamtschau ist eine verlässliche Grundlage für Zieldiskussionen wie politische Entscheidungen und sorgt für Transparenz im Bildungssystem.

Den Bericht sowie weiterführende Materialien und Informationen finden Sie im Internet unter www.bildungsbericht.de.

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